Wie Baufirmen in BIM einsteigen

Wenn Baufirmen sich heute für den Kauf einer neuen Software zur Realisierung ihrer Projekte entscheiden, dann schaffen sie sich nicht nur ein neues Werkzeug an. Sie verbinden diesen Schritt meist mit dem Einstieg in eine neue Arbeitsweise – Building Information Modeling.

Noch ist es nicht soweit, dass alle Bauunternehmen Deutschlands darauf warten, morgen mit BIM-Projekten zu beginnen. Doch wenn man schon neue Software erwirbt, will man auf die Zukunft vorbereitet sein. Deshalb muss ein Softwareunternehmen mit Lösungen für die Baubranche heute eine Antwort beantworten: „Können Sie auch BIM?“

Ist die Antwort positiv, einigt man sich auch in allen anderen Fragen. Kommt danach ein Auftrag zustande, findet sich das Softwareunternehmen plötzlich in einer ganz neuen Rolle wieder. Es ist nicht nur Auftragnehmer und Partner, sondern auch Begleiter seines Kunden auf den ersten Schritten einer Reise in die neue BIM-Welt. Die Bauunternehmen sehen den Softwareanbieter als Experten für diese neue Welt an, denn sie benötigen auf ihrem Weg fachlichen Beistand. Als Softwareunternehmen, das sich als Partner seiner Kunden versteht, sollte man diese Aufgabe annehmen.

Übereifer schadet nur

Wie diese gemeinsamen ersten Schritte aussehen, ist durchaus unterschiedlich. Da gibt es auf der einen Seite sehr vorsichtige Unternehmen. Sie haben eine BIM-Software gekauft, und das genügt ihnen vorerst. Sie warten ab – auf ein passendes Projekt, darauf, dass alle Beteiligten irgendwann genug Zeit haben, auf positive Erfahrungen anderer Unternehmen oder generell auf den passenden Zeitpunkt. Manche warten heute noch.

Dann gibt es die Stürmischen, die keine Zeit verlieren und sofort starten wollen: Heute haben sie die Software gekauft, morgen soll die erste Schulung beginnen, übermorgen das Pilotprojekt, und ab nächste Woche wird BIM flächendeckend im Unternehmen eingeführt. Ihnen gebührt Respekt für ihren Mut und Enthusiasmus. Leider müssen sie oft feststellen, dass nicht alles so schnell funktioniert wie erhofft.

Oft sind falsche oder überzogene Erwartungen ein Problem. Man erwirbt eine Software, auf der das Etikett BIM klebt, und glaubt, damit wäre alles getan. Die Mitarbeiter würden mit der Anwendung der Software zu BIM-Experten und jedes Projekt wäre ein BIM-Projekt. Von der erworbenen BIM-fähigen Software wird erwartet, dass sie alles bewältigt, was mit BIM in Verbindung gebracht wird: von der 3D-Modellierung über die Kostenberechnung bis zum Laserscanning. Solche Erwartungen können nur enttäuscht werden.

Beraten, nicht aufschwatzen

Dass es zu solchen falschen Erwartungen und zu zaghaften oder überstürzten Herangehensweisen kommt, hat viele Gründe. Einer besteht sicher darin, dass mit Blick auf das angebahnte Software-Geschäft einem BIM-Interessierten mancher Sachverhalt  etwas zu einfach dargestellt wurde. Auf die oben genannte Frage „Können Sie auch BIM?“ als Softwareunternehmen einfach mit „Ja klar“ zu antworten, mag vielleicht nicht falsch sein, weil man ja schließlich eine Software im Portfolio hat, die für BIM-Projekte eingesetzt werden kann. Es ist aber sicherlich eine zumindest unvollständige, wenn nicht irreführende Antwort.

Als Softwareunternehmen, das sich als Partner seiner Kunden versteht, sollte man einige Wahrheiten nicht verschweigen:

  1. BIM umfasst nahezu alle Bereiche der Realisierung von Bauprojekten. Es muss entschieden werden, in welchen Bereichen BIM kurzfristig, mittelfristig und langfristig im Unternehmen eingeführt wird.
  2. BIM ist für das Unternehmen eine neue Arbeitsweise, nicht nur eine neue Software. Für diese neue Arbeitsweise müssen bestehende Prozesse überprüft und verändert werden.
  3. BIM ist eine kollaborative Arbeitsmethode. Um BIM wirklich umzusetzen, muss man die Projektpartner mit ins Boot holen.

Sind diese Voraussetzungen für alle Beteiligten klar, lassen sich viele Missverständnisse vermeiden. Nun kann man gemeinsam schauen, welche Kompetenzen im Unternehmen vorhanden sind und in welchen Bereichen und Etappen BIM eingeführt werden kann.

3D-Modelle aus eigenem Haus

Dabei stellt sich in vielen Fällen heraus, dass ein Bauunternehmen bisher kaum Berührung mit 3D-Modellen hatte. Oft bildeten bisher reine 2D-Planungen die Arbeitsgrundlage. Da aber ein gutes 3D-Modell die unverzichtbare Basis für ein BIM-Projekt ist, muss im ersten Schritt geklärt werden, wie das Bauunternehmen zu verwertbaren 3D-Modellen kommt. Gibt es Planer, mit denen bereits zusammengearbeitet wird, die 3D-Modelle liefern können? Will das Unternehmen selbst eine Modellierungsabteilung aufbauen?

Sicher wäre es der Idealfall, wenn das Bauunternehmen eine 3D-Planung erhält, die die Basis für alle weiteren Arbeitsschritte bildet. Die Realität sieht aber anders aus. Da es außerdem naheliegend ist, dass 3D-Modellierungskompetenz im BIM-Zeitalter nicht schaden kann, wählen viele Firmen den Weg, eigene Modellierungsabteilungen aufzubauen, die für die BIM-Projekte aus der vorliegenden Planung 3D-Modelle erstellen.

Ist die Frage geklärt, woher die 3D-Modelle kommen, schließt sich die nächste Frage an: Wer gibt wann welche Informationen in das Modell? Bisher wurden viele zu erbringende Leistungen erst beim Erstellen der Kalkulation definiert. Nun wird aber modellorientiert gearbeitet. Kurz- und Langtexte von Leistungspositionen werden durch Eigenschaften von Bauteilen und Räumen definiert. Die Eingabe von Informationen muss also früher erfolgen.

Und so ist man im Unternehmen durch konkrete Fragestellungen mitten in der Anpassung von Prozessen und Rollen an BIM. Es lässt sich dabei beobachten, dass die Unternehmen und ihre Mitarbeiter durchaus dazu bereit sind. Viele sind überaus motiviert, sich auf neue Arbeitsweisen einzulassen – vor allem, wenn sie dabei Partner haben, die sie ehrlich und kompetent unterstützen. Wenn sie dann noch feststellen, dass durch BIM vieles effizienter und transparenter wird, ist das Unternehmen auf einem guten Weg in die neue BIM-Welt.

X