
Der Bauwirtschaft fehlen Nachwuchskräfte, während gleichzeitig viele Ausbildungsverhältnisse vorzeitig enden. Unternehmen müssen heute mehr tun als nur Stellenanzeigen schalten: Sie müssen Azubis nicht nur finden, sondern auch langfristig an sich binden. Erfahren Sie, wie Baubetriebe mit authentischer Kommunikation, digitaler Arbeitsweise und Wertschätzung bei der Generation Z überzeugen und so den Fachkräftemangel aktiv bekämpfen.
Der Bauwirtschaft laufen die Nachwuchskräfte davon, noch bevor die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie unter Berufung auf die Soka-Bau für das Jahr 2026 berichtet, standen Ende 2024 12.340 neuen Ausbildungsverhältnissen rund 19.800 Beschäftigte gegenüber, die in den Ruhestand wechselten. Die Lücke wächst schneller, als sie sich mit klassischen Stellenanzeigen schließen lässt.
Gleichzeitig bricht fast jede zweite Ausbildung in bau- und ausbaunahen Berufen vorzeitig ab. Einer Auswertung des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge werden 40 Prozent der Ausbildungsverträge im Hoch- und Tiefbau vorzeitig gelöst. Azubis zu gewinnen reicht also nicht, Betriebe müssen sie auch halten.
Für Bauunternehmen ist das längst keine Randfrage der Personalabteilung mehr. Wie der DIHK-Fachkräftereport zeigt, den der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 2026 zitiert, nennen 60 Prozent der Bauunternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Wer heute keine Auszubildenden findet, hat in fünf bis zehn Jahren keine Fachkräfte für Kalkulation, Bauleitung und Ausführung.
Es gibt aber auch einen Lichtblick. Ende Dezember 2025 meldete die Soka-Bau einen Anstieg der Ausbildungsverhältnisse im ersten Lehrjahr um 13,3 Prozent auf knapp 14.000. Betriebe, die ihre Ansprache und ihre Ausbildungspraxis konsequent auf die Generation Z ausrichten, haben reale Chancen, von dieser Entwicklung zu profitieren.
Das Wichtigste in Kürze:
- Der Bauwirtschaft fehlen jährlich mehrere Tausend Nachwuchskräfte, weil Rentenabgänge und neue Ausbildungsverträge auseinanderdriften.
- Fast jede zweite Ausbildung im Hoch- und Tiefbau endet vorzeitig, meist wegen mangelnder Betreuung und falscher Erwartungen.
- Generation Z wählt Arbeitgeber nach Sinn, Sicherheit und Perspektive, nicht nach Werbeslogans.
- Social Media, vor allem TikTok und Instagram, ist für viele Jugendliche der erste Kontaktpunkt mit einem Ausbildungsbetrieb.
- Digitale Arbeitsprozesse auf der Baustelle wirken sich direkt auf die Attraktivität als Arbeitgeber aus.
- Ausbildungsqualität und persönliche Betreuung entscheiden stärker über den Ausbildungserfolg als das Ausbildungsgehalt.
Warum der Nachwuchs fehlt
Zwischen 2009 und 2023 hat das Bauhauptgewerbe rund 500.000 Menschen eingestellt. Nach Angaben des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie aus dem Jahr 2026 blieb ein Plus von 222.000 Beschäftigten. Diese Aufbauphase gerät jedoch ins Stocken. 2021 gewann die Branche noch 14.800 junge Menschen für einen Bauberuf, 34 Prozent mehr als am Tiefpunkt im Jahr 2005. Laut weiteren Daten des Verbandes schrumpfte dieses Plus bis 2024 auf 12 Prozent.
Ein Teil der Lücke wird heute über ausländische Fachkräfte geschlossen. Die Ausländerquote im Bauhauptgewerbe ist von 8 Prozent im Jahr 2009 auf 25 Prozent im Jahr 2025 gestiegen, in Berufen des Hochbaus ohne Angestellte liegt sie sogar bei 36 Prozent. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 2026 berichtet, entlastet dies die Betriebe kurzfristig, ersetzt aber keine eigene Nachwuchsstrategie. Wer langfristig kalkulierbar Personal aufbauen will, kommt an der eigenen Ausbildung nicht vorbei.
Was die Generation Z von einem Ausbildungsbetrieb erwartet
Wie die ManpowerGroup im Whitepaper „Generation PotenZial?“ aus dem Jahr 2025 feststellt, ist für 86 Prozent der Generation Z eine sinnstiftende Aufgabe entscheidend für die eigene Arbeitszufriedenheit, sieben von ohne nennen Jobsicherheit als sehr wichtiges Kriterium bei der Arbeitsplatzwahl. Beides sind Argumente, mit denen Bauunternehmen eigentlich gut dastehen.
Das Problem liegt vor allem in der Kommunikation über den Beruf. Viele Jugendliche kennen den Bau vor allem aus dem Bild von körperlich schwerer Arbeit bei jedem Wetter. Moderne Bauprozesse mit digitaler Planung, BIM-Modellen und mobiler Erfassung auf der Baustelle kommen in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vor. Betriebe, die zeigen, wie ihr Arbeitsalltag tatsächlich aussieht, sprechen damit direkt die Erwartungen einer Generation an, die mit Smartphone und Tablet aufgewachsen ist.
Wie Baubetriebe junge Menschen erreichen
Für viele Jugendliche ist Social Media der erste Kontaktpunkt mit einem Beruf, lange bevor eine Bewerbung geschrieben wird. Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2025 gehört TikTok neben Instagram zu den meistgenutzten Plattformen der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland. Ausbildungsmarketing-Dienstleister wie Aubi-plus und Talentbait beobachten dabei ein wiederkehrendes Muster: Am stärksten wirken Videos, in denen Azubis selbst und ohne Skript erzählen, was sie an ihrem Beruf mögen.
Auf Branchenebene setzt der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie gemeinsam mit der Bauindustrie NRW und der Bundesstiftung Baukultur mit der Kampagne Bau Dein Ding genau hier an. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse sowie an Eltern, Lehrkräfte und Betriebe und bringt mit Formaten wie dem BauTrailer und dem BauChecker praktische Einblicke direkt an die Schulen.
Wie Betriebe Auszubildende halten
Ein neuer Ausbildungsvertrag ist erst der Anfang. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) aus dem Jahr 2026 nennen Jugendliche am häufigsten Konflikte mit Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen, unzureichende Ausbildungsqualität sowie Überstunden ohne Ausgleich als Gründe für einen vorzeitigen Ausbildungsabbruch.
Wer Abbrüche vermeiden will, klärt frühzeitig, was der Berufsalltag konkret bedeutet, benennt eine feste Ansprechperson für Auszubildende und sorgt für regelmäßiges Feedback über das gesamte Ausbildungsjahr hinweg. Das kostet in der Einführungsphase Zeit, spart aber genau die Ausbildungsplätze, die sonst im ersten Jahr wieder frei werden.
Digitale Arbeitsweise als Pluspunkt im Employer Branding
Wie ein Betrieb arbeitet, ist für die Generation Z Teil des Arbeitgeberbilds. Wer auf der Baustelle noch mit Papierzetteln arbeitet, während die Auszubildenden privat alles über das Smartphone erledigen, erzeugt genau den Bruch, den viele Jugendliche mit dem Bau verbinden. 123erfasst bringt die Zeit- und Leistungserfassung auf der Baustelle als App auf Smartphone oder Tablet. Auszubildende dokumentieren ihre Arbeit direkt dort, wo sie sie ausführen.
Auch in der Planung verändert sich das Bild vom Beruf. NEVARIS Build unterstützt die modellbasierte Planung und Kalkulation über BIM, sodass Auszubildende schon früh mit digitalen Bauwerksmodellen arbeiten. Für Betriebe ist das zugleich ein Argument in der eigenen Nachwuchsansprache: eine Ausbildung, die zeigt, dass Bauen heute weit mehr ist als Schaufel und Zollstock.
Checkliste: Azubi-Ansprache für die Generation Z
☐ Aktuelle Baustellenfotos und kurze Videos für Social Media nutzen, keine Stock-Bilder
☐ Auszubildende selbst zu Wort kommen lassen, ohne Skript
☐ Praktika, Ferienjobs oder Schulkooperationen als niedrigschwelligen Einstieg anbieten
☐ Arbeitszeiten, Übernahmechancen und Verdienst im Vorstellungsgespräch offen ansprechen
☐ Feste Ansprechperson für jede Auszubildende und jeden Auszubildenden benennen
☐ Digitale Arbeitsweise wie mobile Erfassung oder BIM im Berufsalltag sichtbar machen
Fazit: Drei Hebel, die zusammenwirken müssen
Azubis für den Bau zu gewinnen, gelingt keinem Betrieb über einen einzelnen Kanal. Es braucht eine glaubwürdige Ansprache dort, wo Jugendliche tatsächlich sind, eine Ausbildungspraxis, die die Erwartungen der Generation Z ernst nimmt, und eine Arbeitsweise, die zeigt, dass der Bau technologisch in der Gegenwart angekommen ist. Betriebe, die alle drei Hebel gleichzeitig bewegen, haben angesichts der aktuellen Trendwende bei den Ausbildungszahlen gute Chancen, ihre offenen Stellen wieder zu besetzen.
FAQ: Azubis gewinnen in der Baubranche
Weil deutlich mehr Beschäftigte in Rente gehen, als neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie 2026 unter Berufung auf die Soka-Bau berichtet, standen 2024 19.800 Rentenabgängen nur 12.340 neue Ausbildungsverhältnisse gegenüber.
Vor allem eine sinnstiftende Tätigkeit und Jobsicherheit. Eine Untersuchung der ManpowerGroup aus dem Jahr 2025 zeigt, dass der Bau beides glaubwürdig bieten kann, wenn Betriebe es aktiv kommunizieren.
Eine zentrale. TikTok und Instagram gehören zu den meistgenutzten Plattformen der 14- bis 29-Jährigen. Authentische Einblicke von Auszubildenden selbst wirken glaubwürdiger als klassische Stellenanzeigen.
Über realistische Erwartungen schon im Vorstellungsgespräch, eine feste Ansprechperson für Auszubildende und regelmäßiges Feedback während der gesamten Ausbildungszeit.
Die bundesweite Kampagne Bau Dein Ding des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der siebten Klasse und stellt Materialien bereit, die einzelne Betriebe für die eigene Ansprache nutzen können.
Ja. Digitale Zeit- und Leistungserfassung sowie BIM-basierte Planung zeigen Auszubildenden, dass moderne Bauprozesse zu ihrer eigenen digitalen Lebenswelt passen.
Fotonachweis: Stock.Adobe (ki-generiert)







