
Integrale Steuerung ökonomischer und ökologischer Zielgrößen durch NEVARIS Build
In der Kategorie „Von der Planung bis in den nachhaltigen Betrieb“ wurde dem Projektteam rund um Ucaneo, B.I.G. Holding SE, Vollack Gruppe und NEVARIS Bausoftware der Building Smart BIM Champion 2026 verliehen.
Ausgezeichnet wurde der Beitrag „Baukosten und Ökoziele im Einklang mit Target Value Design am Projekt Ucaneo und B.I.G. in Berlin.“
Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem konsistent umgesetzten BIM-Ansatz, der ökonomische und ökologische Zielgrößen integriert steuert. Zentrales Element ist Target Value Design – ursprünglich aus der Automobilindustrie –, das im Berliner Projekt erstmals konsequent auf nachhaltige Bau- und Immobilienprozesse übertragen wurde. Die datenbasierte Kopplung von Kosten- und Nachhaltigkeitszielen bewertet die Jury als innovativsten und ökologisch überzeugendsten Wettbewerbsansatz.
Was ist Target Value Design im Bauwesen?
Target Value Design ist ein Managementansatz, der Kosten und Qualität von Beginn an gemeinsam steuert, statt sie nacheinander abzuarbeiten. Damit der Ansatz funktioniert, müssen Zielkosten und ökologische Anforderungen früh definiert und konsequent in jede Entwurfs- und Vergabeentscheidung übersetzt werden. Im Projekt rund um Vollack, Ucaneo, B.I.G. Berlin und NEVARIS wurde der Ansatz des Target Value Designs gewählt und um den Aspekt Nachhaltigkeit ergänzt.
Spagat: Einhaltung von Baukosten, Fördervorgaben und Klimazielen
Genau hier zeigen sich die Parallelen zu den aktuellen Herausforderungen im Bauwesen: Baukosten einhalten, Fördervorgaben erfüllen und zugleich ambitionierte Klimaziele erreichen – „für Bauherren wirkt das noch immer oft wie ein Zielkonflikt, der sich kaum auflösen lässt“. Target Value Design macht diesen Zielkonflikt sichtbar, messbar und damit steuerbar.
Von sequenziellen Prozessen zu integrierter Steuerung
In vielen Projekten werden Baukosten und ökologische Zielwerte noch immer sequenziell behandelt: Erst wird geplant, dann gerechnet, und Nachhaltigkeit kommt oft zuletzt.
Zielwerte frühzeitig festgelegt
Je weiter die Planung bereits vorangeschritten ist, desto weniger Einfluss ist noch möglich. Oft müssen dann die Ökoziele weichen. Der Target Value Design Ansatz dreht genau dieses Vorgehen um: Zielkosten und ökologische Anforderungen stehen am Anfang – nicht am Ende – des Prozesses. Statt auf spätes „Kosten-Controlling“ setzt Target Value Design auf frühzeitige Steuerung entlang klar definierter Zielwerte.
NEVARIS Build bietet Datenbasis für Target Value Design
Unabdingbar für die Umsetzung der Methode ist eine integrierte Datenbasis: Kosten, Mengen und Ökowerte müssen im selben System verfügbar sein, sonst bleiben Zielwerte reine Theorie. Genau hier setzt NEVARIS Build mit seinem integrierten Kosten‑ und Ökoansatz an.
Wieso ist NEVARIS Build die ideale Bausoftware für Target Value Design?
Statt AVA, Excel und separaten Nachhaltigkeitstools nebeneinander zu betreiben, bündelt NEVARIS Build IFC-Modell, LV, Kalkulation und CO₂‑Auswertung über die Lebenszyklusphasen in einem System. Dadurch werden Kosten- und Ökoziele nicht nur dokumentiert, sondern aktiv gesteuert – ein Kernelement von Target Value Design.
Wird der Kalkulator zum Ökobilanzierer?
Die Methode des Target Value Design fordert, dass Kostensicherheit und Nachhaltigkeit nicht in verschiedenen Welten stattfinden, sondern in einer gemeinsamen Planungspraxis. Damit ändern sich auch Verantwortlichkeiten und letztlich Rollenbilder.
Die Frage, ob der Kalkulator zu einem Ökobilanzierer wird, kann mit „Ja“ beantwortet werden, jedoch kommen etliche Aufgaben mehr dazu.
Variantenbewertung: Hebel für Kosten‑ und Klimaziele
Ein zentrales Element von Target Value Design ist die systematische Variantenbewertung: Alternativen werden nicht nach Bauchgefühl, sondern anhand von Zahlen verglichen.
In der Logik des Ansatzes ist der Kalkulator nicht mehr reiner Hüter des Budgets, sondern Mitgestalter ökologischer Qualität. NEVARIS Build unterstützt genau hier und schafft Raum um Varianten zu bewerten, Leistungsverzeichnisse aufzubauen und Budgets festzulegen – immer mit Blick auf Kosten und Ökobilanz.
Roland Dorfer, Director Development bei NEVARIS, formuliert den Anspruch an das System so:
Das neue Öko-Tool ergänze die klassische Kostenkalkulation um „eine zusätzliche Dimension, nämlich den CO₂‑Fußabdruck“. Für die Praxis bedeutet das:
1
Hoch- und Tiefbau, Neubau und Sanierung, konventionelle und hybride Bauweisen – all diese Varianten lassen sich in einem System bewerten.
2
Ziel ist es, „unterschiedlichste Varianten, egal ob Konstruktion oder Materialien, auszuwerten, und das in einem System und sehr schnell“ – genau die Art von Transparenz, die TVD voraussetzt.
So wird der oft abstrakte Zielkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie zu einem konkreten Abwägungsprozess, der sich auf belastbare Daten stützt.
Wirtschaftlich Bauen mit guter Ökobilanz – kein Widerspruch dank Target Value Ansatz
Eine häufige Sorge: Nachhaltigkeit macht Projekte teurer und sprengt das Budget. Stefan Pernet, Head of Build Consulting bei NEVARIS, widerspricht dieser Sicht deutlich:
„Ich würde nicht sagen, dass sich die Baukosten und Ökologiewerte gegenseitig ausschließen.“
Vielmehr plädiert er für einen Perspektivwechsel hin zu der Frage, „wie finde ich günstige Baustoffe mit guten oder sehr guten Ökowerten?“. Genau diese Fragestellung entspricht der Target Value-Design-Logik: Statt nur den niedrigsten Preis zu suchen, geht es um das beste Verhältnis von Kosten, Funktionalität und ökologischer Wirkung.
Für Auftraggeber bietet das die Chance, Vergaben nicht nur über den billigsten Preis, sondern über den höchsten Wert im Sinne von Target Value Design zu entscheiden.
Vom Bericht zur Steuerung: Datenbasierte Praxis für Bauherren
Viele Nachhaltigkeitsaktivitäten in der Baubranche waren lange rückwärtsgewandt: Es wurde berichtet, wie gut oder schlecht ein Gebäude abgeschnitten hat – gesteuert wurde aber kaum. Heinz-Michael Ruhland, Digitalisierungsstratege bei NEVARIS, beschreibt den Schritt, den das neue Öko-Tool ermöglicht:
Fazit: Lückenlose Erfassung von Kosten-und Nachhaltigkeitsdaten
Target Value Design lässt sich für öffentliche und berichtspflichtige Auftraggeber nur umsetzen, wenn Kosten- und Nachhaltigkeitsdaten lückenlos erfasst und nachgewiesen werden können. Auch wenn Bauunternehmen nicht direkt unter die EU-Taxonomie fallen, sind sie in der Praxis dennoch betroffen: Die Berichtspflichten der Auftraggeber werden entlang der Projektkette weitergegeben, wodurch auch Auftragnehmer entsprechende Daten liefern müssen.
Für Bauunternehmen bedeutet das, dass sie ihre Prozesse darauf ausrichten müssen, sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Kennzahlen integriert zu erfassen. Entscheidend ist eine zentrale Datenbasis, in der Kosten, Mengen und Nachhaltigkeitsinformationen zusammengeführt werden. Werden ökologische Aspekte frühzeitig in die Planung eingebunden und gemeinsam mit den Kostendaten gesteuert, wird nachhaltiges Bauen zum integralen Bestandteil des Projekts statt zu einer nachgelagerten Zusatzanforderung.








