Tarifeinigung: Höhere Einkommen und Prämien im Baugewerbe

Eva Marion Beck

Der neue Tarifvertrag auf dem Bau ist in trockenen Tüchern. Am 5. November haben nach einer nächtlichen Schlichtungsrunde auch die Gremien der Tarifvertragsparteien dem ausgehandelten Paket zugestimmt. Damit sind die angedrohten Streiks abgewendet. Der neue Tarifvertrag hält für die knapp 900.000 Beschäftigten des Bauhauptgewerbes einige Verbesserungen bereit.

Am 30. Juni 2021 lief der alte Tarifvertrag aus, bereits im Mai war man in die erste Tarifrunde gegangen.  Am 15. Oktober waren die schwierigen Gespräche mit einer Einigung zu einem Abschluss gebracht worden. Allerdings ist erst jetzt die letzte Hürde genommen worden: Am 5. November haben auch die Gremien der Tarifvertragsparteien ZDB (Zentralverband Deutsches Baugewerbe) und HDB (Hauptverband der Deutschen Bauindustrie) dem ausgehandelten Paket zugestimmt.  Uwe Nostitz, Verhandlungsführer der Arbeitgeber und Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe: „Wir hatten langwierige und schwierige Verhandlungen mit einer komplizierten und zum Teil auch neuen Materie.“ Mithilfe des Schlichters sei „in letzter Minute ein Streik“ vorerst abgewendet worden.

Tarifvertrag Baugewerbe – die Beschlüsse

Der Tarifvertrag sieht für die rund 890.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe mehr Geld vor: Zum 1. November 2021 wurden die Einkommen im Westen um zwei Prozent, im Osten um drei Prozent angehoben. Weitere Lohnsteigerungen folgen – im Westen 2,2 Prozent zum 1. April 2022 und 2 Prozent zum 1. April 2023. Für die Monate von Juli bis Oktober 2021 wurde eine einmalige Corona-Prämie in Höhe von 500 Euro vereinbart. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten im Westen Einmalzahlungen in Höhe von 400 Euro zum 1. April 2022 und 450 Euro zum 1. April 2023.

Die Beschäftigten im Osten erhalten ab dem 1. November 2021 3,0 Prozent mehr Lohn sowie eine Corona-Zahlung in Höhe von 220 Euro. Ab dem 1. April 2022 erhöhen sich die Löhne dann um 2,8 Prozent und ab dem 1. April 2023 um 2,7 Prozent.

 

Zudem wurde eine stufenweise Erhöhung der Ausbildungsvergütungen vereinbart. Zusätzlich wurde festgehalten, dass im Jahr 2026 eine 100-prozentige Angleichung der West- und Ost-Einkommen sowie der Ausbildungsvergütungen erreicht sein muss. Jeder Betrieb im Tarifgebiet Ost kann jedoch nach Gutdünken früher einen Ost-West-Angleich für seine Mitarbeiter festlegen. Auch für die von der IG BAU geforderte Wegestreckenentschädigung für die oft langen Anfahrten zur Baustelle wurden pauschale, nach Kilometern gestaffelte Beträge vorgesehen. Der IG-BAU-Vorsitzende Robert Feiger sagte: „Unsere Vorstellungen für eine gerechtere Entlohnung der Beschäftigten lagen durchaus höher, aber mit diesem Kompromiss können wir leben.“ Bleibt zu hoffen, dass die finanziellen Verbesserungen im Bauhauptgewerbe in Zeiten des Fachkräftemangels ein positives Signal für die Zukunft und auch für Nachwuchs setzen. Bernhard Sänger, Vorsitzender des sozialpolitischen Ausschusses der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, zeigt sich da zuversichtlich: „Durch diesen Abschluss bleibt unsere Branche für die Baubeschäftigten weiterhin attraktiv, da er sowohl für Wegezeiten als auch für die steigende Inflation einen Ausgleich schafft.“

 Maßnahmen  West  Ost

 Lohnerhöhung zum 1. November 2021

 2 Prozent  3 Prozent
 Corona-Prämie fällig zum Januar-Lohn/-Gehalt 2022  500 Euro  220 Euro

 Lohnerhöhung zum 1. April 2022

 2,2 Prozent  2,8 Prozent
 Einmalzahlung fällig mit Mai-Lohn/-Gehalt 2022  400 Euro  
 Lohnerhöhung zum 1. April 2023  2 Prozent  2,7 Prozent
 Einmalzahlung fällig mit Mai-Lohn/-Gehalt 2023  450 Euro  
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