Wie geht es der Baubranche in Zukunft? Dieser spannenden Frage gehen wir in diesem Artikel nach. Wir werfen einen Blick auf die bisherige Entwicklung der Baubranche sowie auf die aktuellen Prognosen zur Baukonjunktur 2026 und 2027 in Deutschland.
Zukunft der Baubranche: Prognose zur Entwicklung 2026
Auch 2026 bleibt die Lage in der Bauwirtschaft und eine genaue Konjunkturprognose schwierig: Baustoffpreise sind vielerorts weiterhin hoch, der Fachkräftemangel bremst Kapazitäten und die Nachfrage ist nicht überall stabil. Gleichzeitig gibt es neue Impulse aus der Politik und erste Anzeichen, dass sich manche Bereiche langsam fangen.
Wohnungsnot auf Rekordniveau: Warum 2026 keine Entspannung bringt
Die neue Studie „Soziale Wohn-Monitor 2026” des Pestel Instituts zeichnet ein deutliches Bild der Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Demnach wurde das Rekordniveau von rund 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen bereits Ende 2024 erreicht – und auch für 2026 ist keine spürbare Entlastung absehbar.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Neubau in den kommenden Jahren deutlich hinter dem Bedarf zurückbleiben wird.
Es werden nur rund 200.000 neue Wohnungen pro Jahr erwartet, während der tatsächliche Bedarf etwa doppelt so hoch liegt.
Besonders betroffen vom Wohnungsmangel sind einkommensschwächere Haushalte, ältere Menschen, junge Menschen und Menschen mit Behinderung. Verschärfend kommt hinzu, dass es bundesweit nur noch rund eine Million Sozialwohnungen gibt, obwohl etwa die Hälfte aller Mieterhaushalte grundsätzlich Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein hat.
Auch der Neubau von Sozialwohnungen stagniert, was den Druck weiter erhöht. Laut der zitierten Studie wirkt sich der Wohnungsmangel somit nicht nur sozial aus, sondern bremst auch die wirtschaftliche Erholung und das Wachstum, beispielsweise durch die eingeschränkte Mobilität von Arbeitskräften.
Sozialer Wohnungsbau: Schlüssel zur Entlastung des Wohnungsmarkts
Als weiterer Hebel gegen den Wohnraummangel soll der „Bau-Turbo” den Wohnungsbau beschleunigen. Grundlage ist eine neue Experimentierklausel im Baugesetzbuch (§ 246e BauGB). Die Sonderregelung ist am 30. Oktober 2025 in Kraft getreten und gilt zunächst befristet bis Ende 2030.
Konkret ermöglicht § 246e BauGB es Städten und Gemeinden, bei bestimmten Wohnbauvorhaben auf die Aufstellung oder Änderung eines Bebauungsplans zu verzichten – ein Prozess, der sonst oft Jahre dauert. Das soll vor allem Nachverdichtung, Aufstockungen und Umnutzungen erleichtern.
Wichtig ist dabei: Ohne Zustimmung der Gemeinde läuft nichts. Wenn die Kommune den Bau-Turbo jedoch anwendet, können zusätzliche Wohnungen bereits nach einer dreimonatigen Prüfung zugelassen werden.
Erste Lichtblicke am Bau: Bauvolumen wächst wieder
Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeichnet sich für die deutsche Bauwirtschaft im Jahr 2026 eine Trendwende nach mehreren Krisenjahren ab.
Des DIW-Wochenberichts zufolge dürfte das reale Bauvolumen 2026 erstmals wieder zulegen, nach Jahren rückläufiger Zahlen. Insgesamt rechnet das Institut mit einem Wachstum von rund 1,7 Prozent gegenüber 2025.
Der Anstieg ist dabei vor allem auf kräftige öffentliche Bauinvestitionen zurückzuführen. Der Wohnungsneubau und der gewerbliche Bau werden dagegen nur moderat zulegen. Für das Jahr 2027 rechnet das DIW sogar mit einer weiteren Beschleunigung des Bauvolumens (+3,4 %).
Trotz dieser positiven Signale bleibt die Bauleistung insgesamt hinter dem Niveau früherer Boomjahre zurück, da die Einbrüche der letzten Jahre eine wachsende Lücke zwischen tatsächlichem Bedarf und realisiertem Bauvolumen hinterlassen haben.
Sondervermögen als Stabilitätsfaktor für die Bauwirtschaft
Mit dem milliardenschweren Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität will der Bund gezielt Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche stärken. Laut Bundesfinanzministerium umfasst das Sondervermögen ein Volumen von bis zu 500 Milliarden Euro, die über mehrere Jahre zusätzlich zum Bundeshaushalt für Infrastrukturmaßnahmen und den Weg zur Klimaneutralität bereitgestellt werden. Die Mittel sind unter anderem für Verkehrswege, Energieinfrastruktur, öffentliche Gebäude sowie klimabezogene Investitionen vorgesehen. Lesen Sie hierzu Stimmen unserer Kunden.
Mit Blick auf 2026 könnte das Sondervermögen einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Baukonjunktur leisten. Ob daraus ein spürbarer Aufschwung entsteht, hängt maßgeblich davon ab, wie zügig die Mittel tatsächlich in konkrete Bauvorhaben fließen.
Hoffnungsvolle Prognose für die Baubranche 2026
Am 11. November 2025 verkündete der Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB) seine Prognosen für die Bauwirtschaft im Jahr 2026.
2026 soll der Umsatz laut ZDB im Bauhauptgewerbe real um 2,5 Prozent steigen. Somit zeigt sich erstmals wieder Wachstum und ein besseres Geschäftsklima in der Branche.
Für 2026 rechnet der ZDB mit einer spürbaren Erholung der Bauwirtschaft. Der Branchenumsatz soll auf rund 178 Milliarden Euro steigen. Nach mehreren Jahren rückläufiger Zahlen würde die Bauwirtschaft damit erstmals wieder deutlich wachsen. Impulse kommen laut ZDB vor allem aus dem Tiefbau, der zusätzlich durch Investitionen aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität gestärkt wird.
Laut Baugewerbepräsident Schubert-Raab hänge auch die Beschäftigung stark von der Auftragslage ab:
Wohnungsbau zeigt Erholung
Der ZDB sieht im Wohnungsbau erste Anzeichen einer Stabilisierung, auch wenn das Niveau weiterhin niedrig bleibt. Für 2025 erwartet der Verband einen Umsatz von knapp 54 Mrd. Euro. 2026 dürfte der Wohnungsbau wieder leicht anziehen: Der Umsatz soll auf rund 56,3 Mrd. Euro steigen.
Realer Umsatz im Wohnungsbau:
- 2025: -4,0 Prozent
- 2026: +1,6 Prozent
Für den Wirtschaftsbau prognostiziert der ZDB eine vergleichsweise stabile Entwicklung. Auch 2026 wird mit weiterem Wachstum gerechnet. Treiber bleibt vor allem der Tiefbau, während der Hochbau verhaltener wächst.
Realer Umsatz im Wirtschaftsbau:
- 2025: +4 Prozent
- 2026: +4 Prozent
Im öffentlichen Bau bleibt das Wachstum moderat, wirkt jedoch stabilisierend auf die Gesamtbranche. Während der Hochbau weitgehend stagniert, sorgt der Tiefbau für leichte Zuwächse.
Realer Umsatz im öffentlichen Bau:
- 2025: +1 Prozent
- 2026: +2 Prozent
In absoluten Zahlen sowie mit nominaler Veränderung sehen die Prognosen für die Baubranche des ZDB so aus:
Nach einigen Krisenjahren fällt die Prognose für die Bauwirtschaft 2026 erstmals wieder positiv aus. In allen Bereichen wird mit einem Umsatzanstieg gerechnet.
Aktuelle Lage: Forderungen des ZDBs für die Baubranche 2026
Der Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Wolfgang Schubert-Raab, fordert von der Politik ein konsequentes Umsteuern, um den Aufschwung der Bauwirtschaft nicht auszubremsen.
„Deutschland braucht umfassende Reformen – sofort und spürbar: Steuern runter, Abgaben runter, Energiepreise runter. Und vor allem: Bürokratie entschlacken, konsequent und dauerhaft.“ – Schubert-Raab, ZDB
Zudem betont er, dass das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität nur dann wirksam sei, wenn die Mittel tatsächlich zusätzlich investiert und nicht innerhalb der Haushalte umgeschichtet werden.
Im Wohnungsbau fordert Schubert-Raab schnell klare und verbindliche Regeln, insbesondere bei vereinfachten Baustandards wie dem Gebäudetyp E. Bauherren und Unternehmen bräuchten jetzt Planungssicherheit, da Investitionsentscheidungen und die Bereitschaft, neue Arbeitskräfte einzustellen, direkt davon abhängen (Quelle: ZDB).
Die PwC-Studie 2025 zum Umgang der Baubranche mit aktuellen Herausforderungen untermauert die Notwendigkeit eines politischen Kurswechsels. Laut der Analyse sehen sich 85 Prozent der Bauunternehmen einem zunehmenden Kostendruck ausgesetzt, während 81 Prozent mit Fachkräftemangel kämpfen und viele Projekte aufgrund finanzieller Unsicherheiten nicht realisiert werden können.
Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur das Tagesgeschäft, sondern hemmt auch die digitale Transformation der Branche. Obwohl Unternehmen das Potenzial neuer Technologien erkennen, fehlen oft qualifizierte Fachkräfte, um digitale Lösungen zu implementieren und effektiv zu nutzen. Unternehmen sehen hier jedoch nicht nur sich selbst, sondern auch die Politik in der Verantwortung: 93 Prozent der Unternehmen fordern den Abbau bürokratischer Hindernisse und einen schnelleren Ausbau der digitalen Infrastruktur, um Innovationen voranzutreiben und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Beim Thema Nachhaltigkeit geht es laut der PwC-Studie voran, allerdings nur langsam: Drei von vier Bauunternehmen haben mittlerweile standardisierte ESG-Prozesse eingeführt. Doch auch hier hemmen unklare politische Vorgaben und fehlendes Wissen in den Unternehmen eine konsequente Umsetzung der Nachhaltigkeitsstandards.
Baukonjunktur in Österreich & der Schweiz
Nach der Betrachtung der Entwicklung der Baukonjunktur in Deutschland schauen wir nun auf die Baubranche in Österreich und der Schweiz. Wie haben sich die beiden Märkte 2025 entwickelt, und was ist für 2026 zu erwarten?
Bauwirtschaft in Österreich: Stabilisierung ohne Trendwende
Laut Konjunkturerhebung der WKO lagen die Auftragsbestände im österreichischen Baugewerbe im 4. Quartal 2024 bei einem Bundesschnitt von 11,6 Wochen – und damit 2,1 Wochen unter dem Vergleichswert des Vorjahres. 2025 war dann jedoch ein Aufschwung erkennbar. Im dritten Quartal 2025 stieg der Auftragsbestand auf 14,9 Wochen.
Insgesamt beurteilen die Geschäftslage im 3. Quartal 2025:
- 17 Prozent der Betriebe mit „gut“ (24 Prozent im Vorjahr)
- 52 Prozent mit „saisonüblich“ (34 Prozent im Vorjahr)
- 31 Prozent mit „schlecht“ (42 Prozent im Vorjahr)
Der deutliche Rückgang negativer Einschätzungen zeigt, dass sich die Stimmung im Baugewerbe im Jahresverlauf 2025 spürbar stabilisiert hat, auch wenn von einer breit getragenen Erholung noch nicht gesprochen werden kann.
Diese Einschätzung deckt sich mit den gesamtwirtschaftlichen Daten. Laut Statistik Austria setzte sich der Erholungskurs der österreichischen Wirtschaft im 3. Quartal 2025 fort. Das reale Bruttoinlandsprodukt wuchs gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent und lag 0,9 Prozent über dem Niveau des 3. Quartals 2024. Trotz dieses Zuwachses kann laut Statistik Austria noch nicht von einer stabilen Wachstumsphase gesprochen werden.
Für die Baubranche blieb die Lage angespannt: Der Bau verzeichnete im 3. Quartal 2025 erneut einen Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und setzte damit seinen länger anhaltenden Negativtrend fort. Auch die Ergebnisse des WIFO-Konjunkturtest vom Januar 2026 bestätigen dieses Bild: Der Lageindex im Bau verbesserte sich nur leicht von −2,0 auf −1,7 Punkte und blieb damit im negativen Bereich, während sich die Erwartungen der Bauunternehmen erneut eintrübten (Rückgang des Erwartungsindex auf −1,0 Punkte). Insgesamt deutet vieles auf eine Stabilisierung ohne klaren Aufschwung hin, die erst mit nachhaltig steigender Bautätigkeit an Dynamik gewinnen dürfte.
Aufschwung im Schweizer Baugewerbe?
Das Schweizer Baugewerbe konnte auch 2025 ein gutes Jahresergebnis erzielen, obwohl die Dynamik im Vergleich zu 2024 etwas nachließ. Die geplanten Hochbauinvestitionen gingen im Vergleich zum Vorjahr zwar nominal um 4,7 Prozent zurück, blieben insgesamt aber auf hohem Niveau. Mit einer Hochbausumme von rund 55 Milliarden Franken erreichte 2025 voraussichtlich den zweitbesten Wert der bisherigen Zeitreihe. Besonders der Wohnbau, vor allem im Bereich Umbauten, sowie der Industrie- und Bürobau trugen zur stabilen Entwicklung bei (Quelle: Baublatt).
Im 4. Quartal 2025 erreichte der Bauindex erstmals seit zwei Jahren wieder die Marke von 100 Punkten. Auch der Trendausblick für die kommenden Quartale fällt leicht positiv aus. Ausschlaggebend hierfür ist die stufenweise Zinssenkung von 1,75 % auf 0,00 % in den vergangenen zwei Jahren, welche die Bauwirtschaft spürbar stimuliert hat. Preisbereinigt erhöhte der niedrigere Zinssatz den Umsatz im Jahr 2025 um rund 120 Millionen Franken. Für das Jahr 2026 werden weitere 190 Millionen Franken erwartet.
Besonders der Wohnungsbau profitiert. Mehrfamilienhäuser gewinnen als Renditeobjekte an Attraktivität und dürften bis zum zweiten oder dritten Quartal überdurchschnittlich wachsen. Gleichzeitig begünstigt der niedrige Referenzzins Sanierungen im Bestand, was sich zuletzt in steigenden Baubewilligungen für Aus- und Umbauten zeigte.
Der Wirtschaftsbau bleibt dagegen gedämpft, da die Beschäftigung stagniert und Unternehmen bei neuen Büro- und Gewerbebauten zurückhaltend sind. Der öffentliche Hochbau weist hingegen einen leicht positiven Trend auf, während der Tiefbau nach schwächeren Quartalen laut Bauindex wieder vor einer Erholung steht (Quelle: Schweizerischer Baumeisterverband).
Zukunft der Baubranche: Unvorhersehbar und spannend.
Rückblick auf 2025: Baukonjunktur in Deutschland
2025 war für die Bauwirtschaft ein Jahr der gemischten Signale. Zwar legten Auftragseingang, Umsatz und auch die Zahl der Baugenehmigungen in Teilen wieder zu – gleichzeitig blieb das Niveau insgesamt niedrig. Hohe Baukosten, teure Finanzierung, steigende Insolvenzen und der weiterhin spürbare Fachkräftemangel sorgten dafür, dass sich die Branche vielerorts nur langsam aus der Schwächephase lösen konnte.
Auftragseingang und Jahresumsatz legen leicht zu
Der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang und der Umsatz im Bauhauptgewerbe haben 2025 zugelegt. Das Niveau bleibt jedoch insgesamt niedrig. Laut dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) ergibt sich folgendes Bild:
Auftragseingang im Bauhauptgewerbe, Jahr 2025:
- November 2025: +4,1 Prozent zum vergl. Vorjahresmonat
- Jan.–Nov. 2025: +7,2 Prozent zum vergl. Vorjahreszeitraum
Umsatz im Bauhauptgewerbe, Jahr 2025:
- November 2025: +4,3 Prozent zum vergl. Vorjahresmonat
- Jan.–Nov. 2025: +2,1 Prozent zum vergl. Vorjahreszeitraum
Bauwirtschaft weiterhin unter Kosten- und Nachfragedruck
Laut dem Statistischen Bundesamt lag die Inflationsrate in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2025 bei +2,2 Prozent. Damit blieb die Teuerung auf dem gleichen Niveau wie 2024 (+2,2 %) und damit deutlich niedriger als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2023 hatte die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt noch +5,9 Prozent betragen.
Die Baupreise bewegen sich allerdings auch 2025 auf einem hohen Niveau. Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude im November 2025 um 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders deutlich zeigt sich der Kostendruck bei den Ausbauarbeiten: Diese lagen im November 2025 um 3,8 % über dem Wert des Vorjahresmonats. Vor allem Heiz- und zentrale Wassererwärmungsanlagen (z. B. Wärmepumpen) verteuerten sich dabei um 4,4 %.
Die angespannte Entwicklung der Baubranche geht auch an den Unternehmen nicht spurlos vorbei: Im Jahr 2025 verzeichnete das Baugewerbe in Deutschland einen weiteren Anstieg der Insolvenzen. Zwischen Januar und Oktober 2025 stieg die Zahl der Insolvenzen im Bauhauptgewerbe um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im gesamten Baugewerbe betrug der Anstieg im gleichen Zeitraum sogar 9,3 Prozent (Quelle: Bauindustrie).
Der Anstieg der Insolvenzen hängt vor allem mit dem Mix aus teuren Finanzierungen, hohen Baukosten und schwacher Nachfrage zusammen. Seit dem deutlichen Zinsanstieg sind Baufinanzierungen spürbar teurer geworden, während die Material- und Energiekosten hoch bleiben. Viele Betriebe geraten zusätzlich unter Druck, weil sie Projekte zu Festpreisen kalkuliert haben und die späteren Mehrkosten kaum weitergeben konnten. Kommen dann noch Stornierungen und ein Auftragsmangel hinzu, wird die Liquidität schnell zur Existenzfrage – besonders für kleine und mittelständische Unternehmen.
Getrübte Stimmung trotz gestiegener Baugenehmigungen
Laut dem Statistischen Bundesamt wurden von Januar bis November 2025 21.900 Wohnungen mehr genehmigt als im Vorjahreszeitraum – das entspricht einer Steigerung von 11,3 Prozent. Dieses Ergebnis umfasst sowohl Baugenehmigungen für Wohnungen in neu errichteten Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch für neu geschaffene Wohnungen in bestehenden Gebäuden.
Im Detail haben sich die Baugenehmigungen von Neubauten von Januar bis November 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wie folgt entwickelt:
- +13,9 Prozent bei Wohngebäuden insgesamt
- +17,0 Prozent Einfamilienhäusern
- -1,6 Prozent bei Zweifamilienhäusern
- +13,5 Prozent bei Mehrfamilienhäusern
Auch wenn die Genehmigungszahlen zuletzt stiegen, spiegelt sich das bislang nicht in der Stimmung der Wohnungsbauunternehmen wider. Laut ifo Institut hat sich das Geschäftsklima im Wohnungsbau zum Jahresende 2025 eingetrübt: Der ifo-Index sank im Dezember von −19,3 auf −20,6 Punkte. Gleichzeitig berichten mehr Unternehmen von Auftragsmangel und auch Stornierungen nahmen zu.
Fachkräftemangel kann Investitionsschwung bremsen
Im Rahmen des DIHK-Fachkräfte-Report 2025/2026 gaben 49 Prozent der Unternehmen aus der Bauwirtschaft an, Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu haben. Damit ist der Anteil im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (DIHK-Fachkräfte-Report 2024/2025: 53 Prozent), befindet sich aber weiterhin auf hohem Niveau. Im Tiefbau zeigt sich dagegen kaum Entspannung: Hier liegt der Anteil 2025/2026 bei 62 Prozent und damit sogar minimal höher als im Vorjahr (61 Prozent).
2024 wurde im Bauhauptgewerbe erstmals seit 2008 wieder Personal abgebaut: Laut des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) sank die Beschäftigtenzahl um 1,2 % bzw. 11.500 auf 916.000 Stellen. Hintergrund war die schwache Baukonjunktur, insbesondere im Wohnungsbau: Während im Tiefbau teils noch Stellen aufgebaut wurden, stand dem ein Abbau im Hochbau gegenüber. Im Jahr 2025 hat sich die Lage am Bauarbeitsmarkt dann leicht entspannt: In den ersten sieben Monaten 2025 konnten Betriebe des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Beschäftigten ihren Personalbestand um 1,0 % erhöhen. Rechnet man die Kleinbetriebe hinzu (Mixmodell), ergibt sich ebenfalls ein Plus von 1,0 % für alle Betriebe.
Der Beschluss des milliardenschweren Investitionsprogramms für Infrastruktur im 1. Quartal 2025 sollte auch der Bauwirtschaft neue Impulse geben. Ob daraus tatsächlich ein nachhaltiger Aufschwung entsteht, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die Projekte real umgesetzt werden können – und damit von der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte.
In einer schwachen Konjunktur ist der Fachkräftemangel oft zunächst weniger sichtbar, da weniger Projekte gestartet und entsprechend weniger neue Stellen ausgeschrieben werden. Sobald die Auftragslage jedoch wieder anzieht, wird der Engpass an qualifiziertem Personal auf dem Bau schnell wieder deutlich und kann die Umsetzung zusätzlicher Projekte spürbar bremsen. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Video:
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Mehr InformationenFazit: Zukunft der Baubranche – Trendwende zeichnet sich ab
In den vergangenen Jahren stand die Bauwirtschaft stark unter Druck: Höhere Zinsen verteuerten die Finanzierung, während die Baupreise lange auf einem hohen Niveau lagen. Dadurch wurden viele Projekte – vor allem im Wohnungsbau – verschoben oder sogar komplett gestrichen, da sich Bauvorhaben für Haushalte und Investoren weniger rentabel gestalteten. Gleichzeitig bremste die schwache Konjunktur die Investitionsbereitschaft im Nichtwohnungshochbau.
Ab 2026 prognostiziert der HDB eine Trendwende. Erwartet wird ein reales Wachstum von +2,5 Prozent. Konkret lautet die Prognose für die Baubranche des HDBs wie folgt:
- Wohnungsbau: + 2,0 %
- Wirtschaftsbau: + 4,0 %
- Öffentlicher Bau: + 1,5 %
- Beschäftigte: + 1,0 % auf 933.000
Der HDB führt die erwartete Erholung vor allem auf die Impulse aus dem milliardenschweren Infrastrukturprogramm zurück. Gleichzeitig betont der HDB, dass die Trendwende nur gelingt, wenn die Mittel tatsächlich in Aufträge und Ausschreibungen übergehen. Aktuell sieht der Verband dies noch nicht ausreichend gegeben. Zusätzlich bremsen aus Sicht des HDB häufig sehr lange Planungszeiten und teils aufwendige Vergabedebatten. Mehr Tempo in Planung und Vergabe gilt daher als zentraler Hebel für eine positivere Baukonjunktur im Jahr 2026.
Diese Einschätzung wird durch aktuelle Analysen des DIW Berlin gestützt: Demnach dürfte das reale Bauvolumen 2026 um 1,7 % zulegen und 2027 sogar um 3,4 % wachsen. Treiber ist vor allem der öffentliche Bau, der 2026 und 2027 jeweils real um 6,7 % steigen soll. Aber auch der Wohnungsneubau dürfte laut DIW 2026 um 2,4 % zulegen und 2027 deutlich stärker um 6,1 % anziehen.
EY-Parthenon zeichnet ein ähnliches Grundbild. Nach einem schwachen Übergangsjahr 2025 wird ab 2026 wieder eine Erholung erwartet. Treiber sind laut EY unter anderem stabilere Rahmenbedingungen, politische Impulse und Nachholeffekte. Gleichzeitig bleiben Finanzierung, geopolitische und wirtschaftliche Instabilität, sowie hohe Baukosten auch 2026 zentrale Unsicherheiten in der Baubranche.
Das DIW warnt noch vor einem weiteren Risiko: Stoßen die Bauunternehmen durch die vielen Investitionen an ihre Kapazitätsgrenzen, könnte der Preisauftrieb wieder zunehmen und die Erholung bremsen. Damit öffentliche Mittel nicht in steigenden Preisen verpuffen, müsse die Produktivität im Bau dringend verbessert werden. Etwa durch gemeinsame Initiativen von Politik und Unternehmen sowie eine Taskforce zur Koordination öffentlicher Investitionen.
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