Digitalisierung in der Baubranche: Was sagen die ersten Wegbereiter?

In punkto Digitalisierung kann sich das Baugewerbe sicherlich keiner Pionierleistungen rühmen. Aber es ist viel Bewegung in der Branche. Denn die meisten Bauunternehmen, die sich als Wegbereiter an das Thema herangewagt haben, berichten von deutlich mehr Prozessqualität, Kundenzufriedenheit und Kosteneffizienz. Ein großer Hemmschuh bei der Nutzung der Chancen von Digitalisierungsmaßnahmen sind jedoch nach wie vor die mangelnden digitalen Fähigkeiten der Mitarbeiter.

Bauherren fragen nach BIM

Der Star der Digitalisierung in der Baubranche ist zweifellos Building Information Modeling (BIM). Die Verbreitung der Methode in Deutschland wird vom Bund konsequent gefördert und auch gefordert. So dürfen öffentliche Verkehrsinfrastrukturprojekte ab Ende 2020 nur noch mit BIM geplant, gebaut und später auch betrieben werden. Aber auch von privaten Auftraggebern wird BIM immer häufiger nachgefragt. Es ist kein Geheimnis mehr, dass der Bauprozess durch die Software transparenter und leichter kontrollierbar wird, da die am Bauprojekt Beteiligten jederzeit Zugriff auf aktuelle Zahlen wie Kosten, Mengen und Zeitabläufe haben.


Digitale Baudokumentation und Zeiterfassung

Weitere Hoffnungsträger der Baubranche sind die digitale Baudokumentation und die mobile Zeiterfassung. Die Studie „IT-Trends in der Baubranche“ von 2019 zeigt: 68 Prozent der befragten Unternehmen nutzen bereits Smartphones oder Tablets als Arbeitsmittel, vor allem für die Erstellung des Aufmaßes, die Erfassung von Nachträgen oder zur Abnahme. Und nach dem EuGH-Urteil, nach dem alle Arbeitgeber verpflichtet sind, die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten systematisch zu erfassen, ist auch Zeiterfassungs-Software ins Zentrum des Interesses gerückt. Übrigens ist gegen ihre Einführung auch aus datenschutzrechtlicher Sicht prinzipiell nichts einzuwenden, sofern ihre genauen Funktionen und Zwecke möglichst präzise definiert werden und ein Rechtekonzept für die Zugriffsrechte auf die Daten festgelegt wird.


Steigende Sensibilisierung für Chancen

Ganz klar hat die Digitalisierung für Bauunternehmen immer noch eine geringere Bedeutung als für andere Mittelständler. Das ist jedenfalls das Ergebnis der von der Telekom in Auftrag gegebenen techconsult-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“, nach der das Baugewerbe immer noch vier Punkte unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt liegt. Die seit Jahren anhaltende gute konjunkturelle Lage im Baugewerbe scheint die notwendigen Anpassungsschritte bisher in den Hintergrund gedrängt zu haben. Wer aber bereits erste Digitalisierungsprojekte umgesetzt hat, gibt bemerkenswerte Erfolge an:

  • 44 Prozent machten mehr Umsatz.
  • 52 Prozent profitierten von einfacheren Prozessen.
  • 40 Prozent verbesserten ihr Betriebsergebnis.
  • 47 Prozent steigerten die Mitarbeiterzufriedenheit.
  • 51 Prozent erhöhten die Kundenzufriedenheit.
  • 48 Prozent gewannen neue Kunden.


Die Weichen sind also gestellt, um auch die Baubranche für die Potenziale der Digitalisierung zu sensibilisieren. Ein Problem ist jedoch nach wie vor die fehlende digitale Kompetenz der Mitarbeiter – der wichtigste Faktor, um sie auch heben zu können. Gerade für BIM sind digitale Kenntnisse bei allen Beteiligten erforderlich – das Beherrschen der Software, der modellbasierten Arbeitsabläufe und der Analysewerkzeuge im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit. Die gute Nachricht ist: Sowohl bei BIM als auch bei der mobilen Zeiterfassung und der digitalen Baudokumentation kann eine intuitiv zu bedienende Software die Hemmschwellen auch älterer Mitarbeiter abbauen und die Begeisterung für die neuen Möglichkeiten wecken.

 

 

Autorin: Eva-Marion Beck

X