Die Tücken des Konjunkturpakets

In ihrem Konjunkturpaket setzt die Bundesregierung viele wichtige Impulse zur Belebung der wirtschaftlichen Lage. Die angekündigte temporäre Senkung der Mehrwertsteuer schafft aber auch einige Herausforderungen, vor allem da sie nur für einen Zeitraum von sechs Monaten angedacht ist. Die Abwicklung von Bauprojekten, d.h. von der Auftragserteilung bis zur Abrechnung, dauert aber häufig länger als sechs Monate. Hier ergibt sich eine Problematik für das Baugewerbe und die Bauindustrie.

 

Was die geplante Mehrwertsteuersenkung für Baugewerbe und Bauindustrie bedeutet

Aufsplittung der Leistungsabrechnung in bis zu drei unterschiedliche Zeiträume

Da sich die anfallende Mehrwertsteuer immer auf den Leistungszeitraum bezieht, müssen die Bauleistungen bei Projekten, die im bzw. vor dem ersten Halbjahr 2020 begonnen haben und nach dem zweiten Halbjahr 2020 enden, in bis zu drei Zeiträume gesplittet werden.

Beispiel

  • Der Projektstart lag vor bzw. in dem ersten Halbjahr 2020: Abschlagsrechnungen bis zum 01.07.2020 werden mit einem Steuersatz von 19% gestellt.
  • Abschlagsrechnungen, die im zweiten Halbjahr 2020, also nach dem 01.07.2020 anfallen werden mit einem Steuersatz von 16% gestellt.
  • Das Bauwerk wird nach dem 01.01.2021 fertiggestellt. Der Steuersatz für die gesamte Leistung richtet sich nach dem Zeitpunkt der vollständigen Leistungserbringung und beträgt in diesem Fall also wieder 19%.

Problematik

Mit den Abschlagrechnungen im zweiten Halbjahr wurde aber bereits ein Steuersatz von 16% gemeldet. Für diese Rechnungen muss nun mit der Schlussrechnung die zu wenig gezahlte Mehrwertsteuer nachberechnet werden, da der Steuersatz für die gesamte Leistung nun wieder bei 19% liegt. Dies gilt, solange die Teilleistungen nicht als in sich geschlossen zu betrachten sind.

 

Verbände und Vereine plädieren für Sonderregelung

Ob sich bei solchen Mehraufwänden eine positive konjunkturelle Entwicklung in der Baubranche einstellt, bleibt fraglich. Somit verursacht die MwSt.-Anpassung zusätzliche Aufwände und nur wenige bis keine Erträge. Die Verbände der Bauindustrie und des Baugewerbes, wie z.B. die Architekten- und Ingenieurkammern, der Zentralverband Deutsches Baugewerbe und der Bundesverband Bausoftware (BVBS) plädieren bei der Mehrwertsteuersenkung für eine Sonderregelung bei Bauprojekten.

 

Was wir bei NEVARIS tun

Wir bei NEVARIS arbeiten seit der Bekanntgabe dieser Änderung intensiv an der Lösung zur Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung in unseren Softwareprodukten und halten unsere Kunden dazu auf dem Laufenden. Außerdem bieten wir Unterstützung im Rahmen von Dienstleistungen durch unsere Mitarbeiter aus dem Professional Service.

Wenn Sie unsere Unterstützung benötigen, dann zögern Sie nicht uns zu kontaktieren.

Da sich das Bundesministerium der Finanzen aktuell noch mit den obersten Finanzbehörden der Länder abstimmt, gibt es seitens der Finanzbehörden noch keine exakten Ausführungs- und Durchführungsbestimmungen. Aufgrund der knappen Terminsituation werden diese wichtigen Informationen vermutlich auch nicht vor dem 01.07.2020 veröffentlicht, was in der aktuellen Lage leider nicht sehr hilfreich ist. Aufgrund dieser noch unklaren Rechtslage sind alle Aussagen in diesem Beitrag unverbindlich und unter Vorbehalt gemacht. Wir können keine Haftung und Gewähr übernehmen.

 

Hier finden Sie mehr Informationen zur Umsetzung in NEVARIS Finance, NEVARIS Build sowie Bau für Windows.

 

Bildnachweis: Roman Samborskyi/Shutterstock.com    Autor: Ines Mansfeld

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