Baubetriebe und Corona: Schutzmasken für den Bau und was bei Engpässen funktioniert

Nun gilt nicht nur in Österreich und anderen europäischen Ländern sondern auch in Deutschland seit Montag, den 27. April, in allen Bundesländern eine Maskenpflicht zum Schutz gegen das Corona-Virus. Auch am Bau sind Schutzmasken jetzt nicht mehr nur bei staubreichen Arbeiten ein Muss. Welche Atemschutzmasken benötigen Sie jetzt für Ihre Mitarbeiter auf den Baustellen? Und welche Alternativen gibt es, wenn nicht ausreichend oder gar keine der begehrten Virenvermeider verfügbar sind?

 

Bei vielen Tätigkeiten am Bau entsteht Staub oder es wird Staub aufgewirbelt. Dieser ist nicht nur lästig, sondern auch gesundheitsschädlich. Für viele Arbeiten am Bau sowie bei baunahen Dienstleistungen sind daher bekanntlich Maßnahmen zum Atemschutz unentbehrlich. So war es vor Corona, so ist es auch jetzt. Zusätzlich sind Bauunternehmen jetzt aber auch verpflichtet, ihre Mitarbeiter mithilfe von Masken zu schützen, wenn beim gemeinsamen Arbeiten ein Mindestabstand von einem Meter nicht eingehalten werden kann. Welche Schutzstufe die Maske besitzen muss, ist abhängig von der Räumlichkeit.

  • Arbeiten in geschlossenen Räumen
    Bei Arbeiten in geschlossenen Räumen, bei denen der Schutzabstand von mindestens einem Meter nicht durchgehend eingehalten werden kann, müssen Ihre Mitarbeiter einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wenn Atemschutzmasken der Klasse FFP 1 verfügbar sind, so sind diese als Atemschutz zu verwenden.
  • Arbeiten im Freien
    Sofern Arbeiten im Freien bzw. in nicht geschlossenen Räumen (Rohbau) mit entsprechender Luftbewegung durchgeführt werden und der Schutzabstand von mindestens einem Meter nicht durchgehend eingehalten werden kann, müssen die betreffenden Arbeitnehmer einen Mund-Nasen-Schutz oder ein Vollvisier (Schutzschild, von der Stirn bis unter das Kinn) tragen.
  • Arbeiten in geschlossenen Räumen mit beengten Verhältnissen
    Als geschlossene Räume mit beengten Verhältnissen gelten Behälter, Gruben, Kanäle, Schächte etc., also von Wandungen umschlossene und daher luftaustauscharme Bereiche. Hier müssen Atemschutzmasken zumindest der Klasse FFP 2 oder motorunterstützter Atemschutz (z.B. Turbohut oder Turbomaske) getragen werden. Überprüfen Sie aber, ob diese Arbeiten derzeit überhaupt durchgeführt werden müssen.

Können diese Vorgaben nicht eingehalten werden, dürfen Arbeiten mit Unterschreitung des Mindestabstandes von einem Meter nicht durchgeführt werden. Ein Vorrat an Schutzmasken am Bau kann also die termingetreue Fertigstellung eines Bauprojekts maßgeblich unterstützen.

 

Welche Schutzmasken sind geeignet für Baubetriebe?

 

Pflicht bei Abstand unter 1 Meter: FFP-Masken (Atemschutzmaske)

Partikelfiltrierende Halbmasken (filtering face piece, FFP) schützen sowohl Umstehende als auch den Träger. FFP2/FFP3-Masken mit Ausatemventil bieten höheren Tragekomfort, es besteht aber die Gefahr, dass Umstehende beim Ausatmen kontaminiert werden. Den besten Schutz für den Träger und Umstehende bieten daher Masken ohne Ausatemventil.

Bei Abstand von mind. 1,5 Metern: Mund-Nasen-Schutzmasken

Locker sitzende Mund-Nasen-Schutzmasken (MNS) verhindern, dass Personen ihr Umfeld mit ausgeatmeten Tröpfchen kontaminieren, schützen aber nicht den Träger selbst. Sie bestehen aus einer Filterschicht, die zwischen zwei Stoffschichten eingebettet ist. Diese einfache Schutzmaske könnte auch in der Baubranche weiter an Bedeutung gewinnen, wenn die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus gelockert werden. Denn wenn alle Beschäftigten den MNS tragen und zusätzlich die Abstandsregel (mind. 1,5 m) sowie die Hygieneregeln einhalten, kann dies eine akzeptable schützende Maßnahme darstellen.

 

Achtung, eine Mund-Nasen-Schutzmaske ist keine Atemschutzmaske, obwohl beide Begriffe oft synonym verwendet werden – sie schützt nur Umstehende.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Papiertücher, selbstgenähter Mund-Nasen-Schutz und OP-Masken sind für Betriebe der Bauwirtschaft und der baunahen Dienstleistungen grundsätzlich nicht geeignet! 

 

Anlegen und Ablegen von Schutzmasken

Ihre Leute sollten wissen, wie sie ihre Schutzmasken am Bau korrekt anlegen sollen, denn nur dann sind sie wirksam. Vor dem Aufsetzen sollten die Hände gründlich mit Wasser und Seife oder einem geeigneten Desinfektionsmittel gereinigt werden. Die Maske muss Mund und Nase vollständig abdecken. Es muss sichergestellt sein, dass keine Lücken zwischen Gesicht und Maske vorhanden sind. Bartträger können keinen Dichtsitz erreichen.

Um die Atemschutzmaske abzunehmen muss sich der Träger der Maske zunächst in einen gefahrenfreien Bereich begeben. Er sollte die Maske schräg nach unten, leicht nach vorne gebeugt vom Gesicht abnehmen. Sie wird dann sofort in einen bereitstehenden geschlossenen Behälter geworfen. Anschließend ist eine Reinigung der Hände mit Desinfektionsmittel oder mit Wasser und Seife nötig.

 

Welche Alternativen sind erlaubt bei Engpässen?

Insbesondere beim Standard FFP2 und FFP3 kommt es durch den stark gestiegenen Bedarf aufgrund von Covid-19 zu Engpässen bei der Lieferung.  Diese werden, so die Einschätzung der BG Bau, auch in der nächsten Zeit bestehen bleiben.  Der Fokus der ausländischen Hersteller wird sich in den nächsten Wochen nämlich verstärkt auf den amerikanischen Markt richten.

  • N95/N99-Masken
    Sofern keine CE gekennzeichneten Masken zur Verfügung stehen, empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin für Beschäftigte bis auf Weiteres den Einsatz von Masken, die mindestens dem NIOSH-Standard N95 entsprechen. Die BG Bau akzeptiert in der Konsequenz auch den Einsatz von N95/N99-Masken in Baubetrieben.
  • P2 oder P3 Filter
    Halbmasken mit P2 oder P3 Filtern sind derzeit noch uneingeschränkt verfügbar. Sie bieten gegenüber FFP-Masken den Vorteil, dass sie das Gesicht einfacher und besser abdichten, insbesondere im Bereich der Nasenflügel. Sofern das Tragen von Atemschutz bei Staubbelastungen erforderlich wird, sollten mindestens Mehrweg-Halbmasken mit auswechselbaren P2-Filtern oder P3-Filtern eingesetzt werden. Für bestimmte Tätigkeiten – etwa an asbesthaltigen Materialien – werden Halbmasken mit P2 oder P3 Filtern explizit vorgeschrieben.

 

Geförderte Möglichkeiten zum staubarmen Arbeiten

Keinesfalls dürfen Engpässe dazu führen, dass ganz auf den notwendigen Schutz der Beschäftigten verzichtet wird. „Gerade derzeit müssen die Anstrengungen gezielt darauf gerichtet werden alle verfügbaren technischen Möglichkeiten zum staubarmen Arbeiten auszuschöpfen“, sagt Norbert Kluger, Leiter der Abteilung Stoffliche Gefährdungen der BG Bau. Dazu gehören nicht nur Atemschutzmasken, sondern auch der Einsatz moderner staubarmer Technologien wie etwa Bau-Entstauber und Luftreiniger. Die BG BAU unterstützt Bauunternehmen mit Arbeitsschutzprämien bei der Anschaffung geeigneter Maschinen und weiterer Maßnahmen zur Staubminderung. Eine beliebte geförderte Variante des Atemschutzes sind zum Beispiel gebläseunterstützte Filtergeräte. Pro Maßnahme wird der Kauf von der BG Bau mit 50 % der Anschaffungskosten, maximal 500 EUR gefördert.

Auf der Webseite der BG BAU können Sie sich eine Schutzmasken-Entscheidungshilfe für Betriebe der Bauwirtschaft downloaden, die einen Überblick verschafft, welche Maskentypen sowohl Umstehende als auch Träger schützen, welche Normkennzeichnung sie haben und wie lange sie getragen werden können. Hier sind auch die erlaubten Alternativen aufgeführt: Halb- und Vollmasken mit P2- und P3-Filter, N95- und N99-Halbmasken und Helme/Hauben und Masken mit Gebläseunterstützung. Eine Aktualisierung der Tabelle erfolgt bei neuen Erkenntnissen.

 

Weiterführende Informationen

 

Bildnachweis: Studio concept/Shutterstock.com    Autor: Eva-Marion Beck

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