
Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist seit Jahrzehnten die Grundlage für die Planung und Vergütung von Bauprojekten in Deutschland. Die aktuelle HOAI bildet dabei mit ihren Leistungsphasen die rechtlich verbindliche Struktur, die den gesamten Ablauf von der ersten Idee bis zur abschließenden Objektbetreuung vorgibt.
Was interessiert Sie besonders?
- HOAI-Leistungsphasen: Das Wichtigste in Kürze
- Überblick über die HOAI-Leistungsphasen
- Die 9 HOAI-Leistungsphasen im Detail
- HOAI und BIM: Rechtlicher Rahmen und praktische Umsetzung
- Rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit HOAI und BIM
- Häufige Fehler in den Leistungsphasen der Architektur
- Fazit: HOAI-Leistungsphasen effizient umsetzen – mit Unterstützung durch NEVARIS
HOAI-Leistungsphasen: Das Wichtigste in Kürze
- Die HOAI-Leistungsphasen gliedern Bauprojekte in 9 Schritte.
- Jede Phase ist einem klar definierten Aufgabenbereich zugeordnet und trägt einen prozentualen Anteil am Gesamthonorar.
- Grundleistungen sind verpflichtend und sichern die vollständige Erfüllung der Planungsaufgabe.
- Besondere Leistungen gehen über die Grundleistungen hinaus und müssen individuell vereinbart
- In der aktuellen HOAI (seit der Reform 2021) dienen die Honorartafeln nur noch als Orientierung für Honorarverhandlungen.
- Mit dem Einsatz von BIM entstehen zusätzliche Aufgaben (z. B. Koordination von Fachmodellen), die in der Regel als besondere Leistungen gelten.
Überblick über die HOAI-Leistungsphasen
Die HOAI-Leistungsphasen geben eine klare und rechtlich verbindliche Struktur für die Planung und Durchführung von Bauprojekten vor. Sie gliedern den Prozess in neun aufeinanderfolgende Schritte – von der Grundlagenermittlung über die Entwurfs- und Ausführungsplanung bis hin zur Objektüberwachung und abschließenden Dokumentation. Diese Struktur sorgt für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und eine faire Verteilung der Honorare zwischen Architekten, Ingenieuren und Auftraggebern.
Jede Leistungsphase ist einem bestimmten Aufgabenbereich zugeordnet und mit einem prozentualen Anteil am Gesamthonorar versehen. Dadurch lässt sich die Vergütung abhängig vom Projektfortschritt berechnen. Während die sogenannten Grundleistungen verpflichtend zur Erfüllung der Planungsaufgaben gehören, können besondere Leistungen je nach Projektumfang individuell vereinbart und zusätzlich vergütet werden.
Für Bauherren und Planungsbüros bietet die HOAI damit eine verbindliche Orientierung: Die Phasen der HOAI zeigen, welche Aufgaben in welcher Projektphase zu erledigen sind und stellt sicher, dass Leistungen transparent dokumentiert und abgerechnet werden können.
Die 9 HOAI-Leistungsphasen im Detail
Die Phasen der HOAI teilen den Planungs- und Bauprozess in neun aufeinanderfolgende Schritte. Jede Phase hat einen klar umrissenen Aufgabenbereich und trägt mit einem bestimmten Anteil zur Gesamthonorierung bei.
1. Grundlagenermittlung
In der ersten Phase der HOAI werden die Projektziele gemeinsam mit dem Auftraggeber definiert. Dazu zählen die Klärung der Aufgabenstellung, die Analyse der Rahmenbedingungen sowie die Beratung zu möglichen Vorgehensweisen.
2. Vorplanung
Die Vorplanung umfasst erste Lösungsvorschläge, eine Kostenschätzung und die Prüfung der Machbarkeit. Ziel ist es, eine belastbare Grundlage für die weiteren Planungen zu schaffen.
Hinweis: Da die Phasen aufeinander aufbauen, bilden sie zugleich die Grundlage für den Bauzeitplan. Verzögerungen in einer Phase wirken sich automatisch auf die Folgeschritte und den gesamten Projektablauf aus.
3. Entwurfsplanung
Auf Basis der Vorplanung entsteht ein detaillierter Entwurf, der architektonische, technische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt. Hierbei werden oft bereits BIM-Modelle eingesetzt, um die Planung anschaulich und transparent zu gestalten.
4. Genehmigungsplanung
Alle für die Baugenehmigung erforderlichen Unterlagen werden erstellt und bei den zuständigen Behörden eingereicht. Abstimmungen mit den Genehmigungsstellen gehören ebenfalls zu dieser Phase.
5. Ausführungsplanung
Die Entwurfsplanung wird detailliert ausgearbeitet. Pläne werden so präzisiert, dass eine reibungslose Ausführung auf der Baustelle möglich ist. BIM unterstützt hier insbesondere bei Kollisionsprüfungen und der Koordination verschiedener Gewerke.
6. Vorbereitung der Vergabe
In dieser Phase werden Leistungsverzeichnisse erstellt und Ausschreibungsunterlagen vorbereitet. So erhalten Bauherren eine transparente Grundlage für die Einholung von Angeboten.
7, Mitwirkung bei der Vergabe
Architekten und Ingenieure unterstützen den Bauherrn bei der Prüfung der Angebote, beim Kostenvergleich sowie bei der Vergabe der Aufträge an ausführende Unternehmen.
8. Objektüberwachung
Während der Bauausführung überwachen die Planenden die Umsetzung der Pläne, kontrollieren Termine und Kosten und sichern die Qualität der Bauleistungen. Diese Phase ist für den Erfolg eines Projekts besonders entscheidend.
9. Objektbetreuung und Dokumentation
Nach Fertigstellung übernimmt der Planer die Betreuung während der Gewährleistungszeit. Zusätzlich werden alle relevanten Unterlagen, Nachweise und Dokumentationen übergeben.
Hinweis: Nicht jedes Projekt erfordert alle neun Phasen der HOAI. Bei kleineren Bauvorhaben oder Umbauten können einzelne Leistungsphasen entfallen oder in reduzierter Form beauftragt werden.
HOAI und BIM: Rechtlicher Rahmen und praktische Umsetzung
Building Information Modeling (BIM) bezeichnet die modellbasierte, digitale Planungsmethode, die Bauprojekte transparenter und effizienter macht. Während die HOAI die klassischen Leistungsphasen klar strukturiert, stellt sich in der Praxis zunehmend die Frage, wie sich digitale Zusatzleistungen in dieses System einordnen lassen.
Die aktuelle HOAI, zuletzt 2021 reformiert, sieht vor, dass die in den Honorartafeln genannten Spannen nicht mehr verbindlich sind, sondern lediglich als Orientierung für Honorarverhandlungen dienen. Für Architekten und Ingenieure bedeutet das mehr Flexibilität, aber auch einen höheren Bedarf an klaren Vertragsregelungen, insbesondere, wenn zusätzliche BIM-Leistungen berücksichtigt werden müssen.
Die Einführung von BIM in Deutschland wird durch gesetzliche Vorgaben unterstützt. Seit 2017 gilt bei öffentlichen Bauprojekten mit einem Kostenvolumen ab fünf Millionen Euro die Pflicht, den Einsatz von BIM zu prüfen. Mit dem Stufenplan „Digitales Planen und Bauen“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wurde zudem festgelegt, dass BIM bei großen Verkehrsprojekten verbindlich einzusetzen ist. Damit entwickelt sich BIM Schritt für Schritt zum Standard in der Bauplanung.
Ein aktuelles Praxisdokument „Vergütungsmodelle“ (Version 1.0, veröffentlicht im Juni 2025) bietet Entscheidungshilfen, wie Leistungen mit der BIM-Methode fair und transparent vergütet werden können. Es stellt verschiedene Modelle von prozentualen Zuschlägen über Pauschalvergütungen bis hin zur Abrechnung nach Stundensätzen vor. Besonders hilfreich ist das Dokument, wenn BIM-Leistungen nicht eindeutig den Grundleistungen zugeordnet werden können und als besondere Leistungen individuell vereinbart werden müssen.
Darüber hinaus entstehen durch BIM neue Aufgabenfelder, die in der klassischen HOAI nicht vorgesehen sind. Der BIM-Manager übernimmt die strategische Steuerung der Methode im Projekt, während der BIM-Koordinator die fachliche Abstimmung zwischen den Beteiligten verantwortet und die Qualität der Fachmodelle sichert. Beide Rollen gelten in der Regel als besondere Leistungen und müssen gesondert vereinbart und vergütet werden.
Für Planungsbüros bietet BIM die Chance, Abläufe effizienter zu gestalten und die Qualität der Planung zu erhöhen. Gleichzeitig steigt der Beratungsaufwand, insbesondere in frühen Projektphasen, da Auftraggeber oft detaillierte Informationen zur Methode, zu Schnittstellen und zu rechtlichen Fragen erwarten. Eine transparente Abbildung dieser Leistungen im Vertrag ist entscheidend, um Missverständnisse zu vermeiden und eine faire Vergütung sicherzustellen.
Rechtliche Aspekte im Zusammenhang mit HOAI und BIM
Mit der Integration von BIM in Bauprojekte entstehen neben neuen Aufgabenfeldern auch zusätzliche rechtliche Fragestellungen. Drei Themen sollten Sie dabei besonders im Blick behalten:
- Urheberrecht: Digitale Modelle gelten als urheberrechtlich geschützte Werke. Es ist klar zu regeln, wem die Nutzungsrechte zustehen und in welchem Umfang Auftraggeber und Projektpartner diese verwenden dürfen.
- Datenschutz: BIM-Projekte erfordern den Austausch umfangreicher Daten. Dabei müssen die Anforderungen der DSGVO eingehalten und Verantwortlichkeiten eindeutig festgelegt werden.
- Berufshaftpflicht: Mit neuen Aufgaben wie Modellkoordination oder Datenmanagement entstehen zusätzliche Haftungsrisiken. Planer sollten prüfen, ob ihre Berufshaftpflichtversicherung diese Leistungen abdeckt und gegebenenfalls erweitern.
Digitale Werkzeuge wie AVA-Software oder modellbasierte Systeme erleichtern Ihnen die Abbildung der Leistungsphasen, sorgen für konsistente Daten und unterstützen Sie bei Kostenplanung und Abrechnung. Lösungen wie NEVARIS Build bieten hier den Vorteil, HOAI-Leistungsphasen, Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung und BIM-Integration in einem durchgängigen System abzubilden.
Häufige Fehler in den HOAI-Leistungsphasen bei Architektur und Bauplanung
In den HOAI-Leistungsphasen treten in der Praxis immer wieder typische Probleme auf, die zu Verzögerungen, Mehrkosten oder Konflikten führen können:
- Unzureichende Dokumentation: Wenn Leistungen nicht präzise beschrieben und nachvollziehbar festgehalten werden, entstehen schnell Unklarheiten bei der Abrechnung.
- Unklare Abgrenzung zwischen Grundleistungen und besonderen Leistungen: Werden zusätzliche Aufgaben nicht eindeutig im Vertrag geregelt, kommt es häufig zu Streitigkeiten über die Vergütung.
- Fehlende Schnittstellenvereinbarungen bei BIM: Unklare Verantwortlichkeiten und eine verspätete digitale Modellbearbeitung führen zu Mehraufwänden und erhöhen die Gefahr von Planungsfehlern.
- Unterschätzter Beratungsbedarf in frühen Phasen: Wenn Anforderungen, Erwartungen und rechtliche Rahmenbedingungen nicht von Anfang an geklärt sind, drohen spätere Anpassungen und kostspielige Nachträge.
Wenn Sie diese Fehler kennen und bewusst vermeiden, können Sie die Leistungsphasen effizient nutzen und den Projekterfolg nachhaltig sichern.
Fazit: HOAI-Leistungsphasen effizient umsetzen – mit Unterstützung durch NEVARIS
Die HOAI-Leistungsphasen geben eine klare Struktur für Planung und Vergütung von Bauprojekten. Mit der aktuellen HOAI und dem wachsenden Einsatz von BIM steigen jedoch die Anforderungen an Kostenkontrolle, Dokumentation und Zusammenarbeit im Projekt.
Genau hier setzt NEVARIS Build an:
- Sichere Kostenplanung und -verfolgung über alle Leistungsphasen hinweg,
- Transparente Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA),
- Effiziente Nutzung von BIM-Daten für eine präzisere Planung und bessere Zusammenarbeit.
So behalten Sie jederzeit den Überblick, reduzieren Risiken und schaffen die Basis für erfolgreiche Projekte von der Grundlagenermittlung bis zur Dokumentation.
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Mehr InformationenBildnachweis: Yurii Andreichyn/shutterstock.com, Autorin: Eva-Marion Beck







