Baubranche 2023: Entwicklung & Prognose für die Zukunft

Wie geht es der Baubranche in der Zukunft? Dieser spannenden Frage gehen wir in diesem Artikel nach. Wir werfen einen Blick auf die Entwicklung der Baubranche seit der Corona-Pandemie sowie auf die Baukonjunktur 2022 in Deutschland und seinen Nachbarländern. Außerdem erfahren Sie hier mehr zu den Prognosen bezüglich Preisentwicklung und Rohstoffmangel in der Bauwirtschaft. (aktualisiert am 02.11.2022)

Aktuelle Zahlen aus 2022: Baukonjunktur in Deutschland

Im vergangenen Jahr hatten wir die Prognose fürs Jahr 2021 aufgestellt, dass die Bauwirtschaft trotz Corona wohl ausreichend wirtschaftliche Polster, Ressourcen und Nachfrage habe, um weiterhin gute Umsätze zu machen. Jetzt lässt sich im Rückblick feststellen: Was die Ressourcen betrifft, hat das Jahr nicht rosig ausgesehen. Materialmangel und Lieferengpässe haben die Bauwirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2021 in Mitleidenschaft gezogen. Die Materialknappheit bei Holz und Stahl sorgte für Verzögerungen und für starke Preisanstiege, die die Umsätze minderten.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bauwirtschaft waren 2021 also weiterhin zu spüren – insbesondere hinsichtlich der Rohstoffknappheit. Wie sich die Baukonjunktur, die Wirtschaftslage für das gesamte Bauwesen, konkret entwickelt hat, lesen Sie im Folgenden.

Leichtes Wachstum der Bauwirtschaft 2021

Während 2020 noch ein Jahr der Rekordumsätze war, sieht die Entwicklung der Baubranche von Januar bis November 2021 laut statistischem Bundesamt für das Bauhauptgewerbe in Deutschland so aus:

Insgesamt

  • Umsatz: +1,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum
  • Beschäftigte: +1,5 Prozent zum Vorjahreszeitraum

Hochbau

  • Umsatz: +0,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum
  • Beschäftigte: -0,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum

Tiefbau

  • Umsatz: -1,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum
  • Beschäftigte im Tiefbau (Januar bis November 2021): -0,6 Prozent zum Vorjahreszeitraum

Abbrucharbeiten und vorbereitende Baustellenarbeiten

  • Umsatz: +5,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum
  • Beschäftigte: +2,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum

Sonstige spezialisierte Bautätigkeiten (zum Beispiel Dachdeckerei und Zimmerei)

  • Umsatz: +8,2 Prozent zum Vorjahreszeitraum
  • Beschäftigte: +2,3 Prozent zum Vorjahreszeitraum

Die stärkste Unterkategorie der Wirtschaftszweige ist der Bereich „Zimmerei und Ingenieurholzbau“ mit einem Umsatzplus von 9,8 Prozent. Am meisten verloren hat der „Rohrleitungstiefbau, Brunnenbau und Kläranlagenbau“ mit 3,7 Prozent Umsatzverlust.

Baustoffmangel und Preissteigerungen bremsten Baugewerbe 2021

Im Jahr 2020 war die gute Lage trotz Beginn der weltweiten Corona-Pandemie den Aufträgen aus den Vorjahren und der ungebremst hohen Nachfrage im Wohnungsbau zu verdanken – im gewerblichen Bau gab es damals einen leichten Rückgang.

2021 stieg die Nachfrage insgesamt zwar, dennoch waren die Folgen der Pandemie deutlicher spürbar. Waren die Prognosen für 2021 bereits verhalten, kamen Probleme wie knappes Baumaterial und dadurch bedingt deutlich höhere Baukosten hinzu. Im Oktober 2021 war der Holzpreis beispielsweise fast doppelt so hoch wie im Vorjahr (Quelle: ZDB).

Zukunft der Baubranche: Prognose zur Entwicklung 2022

Die Preissteigerungen im Baugewerbe im Jahr 2021 werden auch in Zukunft, im Jahr 2022, Nachwirkungen haben. Allerdings legen Bauunternehmen die Preise immer mehr auf die Bauherren um. Die Baukosten steigen somit.

Noch Anfang 2022 sah es aus, als sei die Nachfrage weiterhin ungebrochen – und mit dem Koalitionsvertrag der neuen deutschen Bundesregierung würde die Modernisierung öffentlicher Infrastruktur, der Wohnungsbau und klimaneutrales Bauen Fahrt aufnehmen.

In Zahlen ausgedrückt zeigte sich – wie Sie im Folgenden sehen – eine positive Entwicklung der Baubranche.

Günstige Baukonjunktur 2022 in Deutschland

Laut Prognosen des ZDB entwickelt sich die Baukonjunktur in Deutschland wie folgt:

  • 2020: 143 Milliarden Euro
  • 2021: 143,5 Milliarden Euro Umsatz (+ 0,5 Prozent nominal zum Vorjahr)
  • 2022: 151 Milliarden Euro Umsatz (+ 5,5 Prozent nominal zum Vorjahr)

Durch die Preisentwicklung der Baukosten um rund vier Prozent ergibt sich damit ein reales Umsatzplus von 1,5 Prozent.

Laut Verbandsumfrage sei die Stimmung insgesamt verhalten optimistisch. Hoffnung mache, dass im zweiten Quartal 2022 die Prognose für die Preisentwicklung des Baumaterials etwas positiver seien.

Seit Beginn des aktuellen Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise in Europa sieht die Lage jedoch völlig anders aus und die Nachfrage im Baugewerbe ist stark eingebrochen.

Auch 2022 fehlen in Deutschland Fachkräfte

2022 erwartete der ZDB, dass 915.000 Fachkräfte in der Bauwirtschaft beschäftigt werden – das sind 10.000 mehr als im Vorjahr.

Dennoch macht sich weiterhin der Fachkräftemangel bemerkbar. Zwar wollten deutlich mehr Unternehmen Beschäftigte neu einstellen (31 Prozent), als die Zahl der Beschäftigten reduzieren (6 Prozent). Und ein Drittel der Unternehmen wollte im kommenden Jahr die Zahl seiner Auszubildenden erhöhen, aber viele Stellen werden wohl unbesetzt bleiben.

Im Baugewerbe sind im Jahr 2021 60 Prozent der Lehrstellen offengeblieben, geht aus einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die im November 2021 vorgestellt wurde. Von Oktober 2021 bis Juli 2022 haben sich noch einmal insgesamt 12.200 junge Menschen weniger auf eine Ausbildungsstelle beworben als im Vorjahr – obwohl in diesem Jahr 22.300 Plätze mehr angeboten wurden. Um wieder mehr Arbeitskräfte für den Bau zu begeistern, gehe es nun darum, „die Faszination des Bauens zu vermitteln“ und die Bauwirtschaft als vielfältig und innovativ darzustellen, so Reinhard Quast, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

Wie man es dreht und wendet: Der Fachkräftemangel wird weiterhin ein großes Problem bleiben.

Neues Bauministerium mit großen Zielen

Rückenwind erhielt die Baubranche von dem unter der neuen Regierung eingerichteten „Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen“. Mit ihm gewinnt die Wohnungspolitik einen besonderen Stellenwert.

Der Wohnungsbau soll massiv ausgeweitet werden. Die Worte der Ressortleiterin Klara Geywitz bei ihrem Amtsantritt lassen Großes erwarten: „Wir wollen 400.000 Wohnungen bauen, jedes Jahr. Und wenn wir gleichzeitig die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir das klimagerecht machen.“ Das bedeutet eine Erhöhung der jährlichen Baufertigstellungen um etwa 30 Prozent.

Bauministerin Geywitz betonte auch den großen Stellenwert des seriellen Bauens. Serielles Bauen würde „den Bauprozess entlasten, macht ihn schneller und vermeidet auch sehr viel Baulärm und lange Bauzeiten in den Innenstädten“, so Klara Geywitz in einem Interview mit Bayern 2. Nichtsdestotrotz halten die Spitzenverbände die Zahl von jährlich neu zu bauenden 400.000 Wohnungen für nicht realisierbar, wie Sie im Folgenden lesen werden.

 

 

Bereiche der Bauwirtschaft: unterschiedliche Prognosen für 2022

Die verschiedenen Zweige der Bauwirtschaft waren unterschiedlich stark von der Corona-Situation und deren Folgen sowie den Aussichten durch eine neue Bundesregierung betroffen. Das spiegelt sich auch in der Konjunkturprognose des ZDB.

Prognose für die Bauwirtschaft 2022 im Wohnungsbau, öffentlichen Bau und Wirtschaftsbau

Wohnungsbau als Stützpfeiler der Baukonjunktur

Für 2022 wurde ein Umsatz von 59,3 Milliarden Euro im Wohnungsbau erwartet. Das entspricht nominal 7 Prozent mehr als im Vorjahr 2021 mit 55,4 Milliarden Euro.

Ziel der Ampel-Regierung ist es, 400.000 Wohnungen pro Jahr zu errichten. Die aktuelle Prognose des ZDBs fällt hier im Vergleich jedoch noch etwas verhalten aus:

  • 2021: 310.000 fertiggestellte Wohnungen
  • 2022: 320.000 fertiggestellte Wohnungen

Allerdings wurde die Prognose nicht ganz erreicht: 2021 wurden nur 293.393 Wohnungen fertiggestellt. Auch 2922 sank die Zahl der Baugenehmigungen und bereits genehmigte Bauvorhaben wurden zum Teil zurückgestellt.

Zu begrüßen sei, dass die linearen Abschreibungen sowie die Mittel für sozialen Wohnungsbau, Umbau für altersgerechtes Wohnen oder die Städtebauförderung erhöht werden.

Wirtschaftsbau von Corona gezeichnet

Für 2022 lag die Prognose für den Wirtschaftsbau bei einem Umsatz von 53,3 Milliarden Eurodiese Einschätzung erwies sich als korrekt. Das sind nominal 6 Prozent mehr als im Vorjahr 2021 mit 50,3 Milliarden Euro. Voraussetzung hierfür war, dass der Investitionsbedarf der Bahn aufgrund der Ziele der neuen Bundesregierung steigen wird und die Pandemie eingedämmt wird – beides war der Fall.

Die Entwicklung hinsichtlich der Gebäudetypen im Wirtschaftsbau ist insgesamt sehr unterschiedlich. Für das Genehmigungsvolumen bedeutet das:

  • In neue Handelsgebäude wurde 2021 wenig investiert (-14 Prozent zum Vorjahr).
  • Im Onlinehandel ist die Nachfrage nach Lagerflächen seit Pandemie-Beginn ungebrochen hoch (+/- 0 zum Vorjahr).
  • Im Hotel- und Gastronomiebereich ist die Investitionsbereitschaft 2021 noch immer gering (-8 Prozent zum Vorjahr).
  • In Krankenhäusern wurden 2021 wieder mehr investiert (+64 Prozent zum Vorjahr).
  • Bei Bürogebäuden ging es 2021 wieder bergauf (+12 Prozent zum Vorjahr).

Öffentlichem Bau fehlt Rettungsschirm

2022 steigt der erwartete Umsatz im öffentlichen Bau auf 38,6 Milliarden Euro. Die Prognose entspricht einem schwachen Plus von 2 Prozent zum Vorjahr 2021 mit 37,8 Milliarden Euro Umsatz.

Der Investitionsstau der Kommunen habe sich 2021 bei 150 Milliarden Euro verfestigt – allein Schulen und Straßen seien mit 80 Milliarden Euro betroffen. Für 2022 würde der Investitionsstau durch einen Rückgang der Bauinvestitionen um fast 9 Prozent weiter anwachsen. Tatsächlich wuchs der Investitionsstau 2022 weiter auf 159,4 Milliarden Euro. Größte Hürde seien laut ZDB die engen Handlungsspielräume der Kommunen. Hier brauche es eine schnelle Umsetzung der versprochenen Unterstützung durch die Bundesregierung.

Im Bereich der Autobahnen werden seit 2021 die Aufträge nicht mehr von den Ländern, sondern zentral durch die Autobahn GmbH des Bundes verwaltet. Durch die Umstellung und die dadurch resultierenden Probleme hatten Unternehmen in diesem Bereich etwas weniger Aufträge als im Vorjahr. Auch hier soll die Bundesregierung mehr in Verantwortung genommen werden, zum Beispiel durch eine mehrjährige Finanzierungsvereinbarung zwischen der Autobahn GmbH und dem Bund.

Die größte Herausforderung für die rund 3.000 im Straßenbau beschäftigten Betriebe in Deutschland waren 2022 die sprunghaft gestiegenen Preise für Bitumen. (Quelle: Branchenreport Straßenbau)

 

 

Baukonjunktur in Österreich & der Schweiz

Ein ähnliches Bild wie in Deutschland zeichnet die Stimmung und die Entwicklung der Baukonjunktur in Österreich und der Schweiz: Auch hier waren die Bauunternehmen 2021 und 2022 mit explodierenden Baustoffpreisen, Lieferengpässen und eklatantem Fachkräftemangel konfrontiert.

Fachkräftemangel: Personelle Kapazitätsgrenzen erreicht

65 Prozent der österreichischen Baubetriebe hatten einen massiven Fachkräftemangel – zwei Drittel mussten sogar aus diesem Grund Aufträge stornieren oder ablehnen. Aber auch in unseren Nachbarländern hat der boomende Wohnungsbau die Umsätze letzten Endes erfreulich dastehen lassen.

Positive Entwicklung der Bauwirtschaft

Eine Konjunkturerhebung der österreichischen Bundesinnung Bau im 3. Quartal 2021 vermeldete für Österreich einen bundesweiten Anstieg – regional sogar „rekordverdächtigen Zuwachs“ – des Auftragsbestandes im Vergleich zum Vorjahr.

Dies setzte sich 2022 nicht ganz fort. Insgesamt beurteilten die Geschäftslage im 2. Quartal 2022

  • 21% der Betriebe mit „gut“ (46% im Vorjahr)
  • 63% mit „saisonüblich“ (44% im Vorjahr)
  • 16% mit „schlecht“ (10% im Vorjahr)

Auch der Bauindex Schweiz zeigte im 3. Quartal 2021 noch eine steile Aufwärtskurve. „Die Schrittmacher sind dabei derzeit der Wohnungs- (+8.4 %) und der Wirtschaftsbau (+6.0 %)“, hieß es auch hier. Das 1. Quartal 2022 verzeichnete allerdings einen leichten Rückgang.

Fazit: Zunächst noch angespannte Zukunft der Baubranche für 2023 erwartet

Schaut man sich die gesamte Entwicklung der Bauwirtschaft und die Prognosen für 2022 an, so besteht Hoffnung, dass die Einflüsse durch Corona in der Baubranche immer geringer ausfallen werden. Die Baukonjunktur erlebte noch Anfang 2022 in vielen Bereichen – angeführt vom Wohnungsbau – einen Aufschwung. Und auch seitens der Bundesregierung standen noch verschiedene Versprechen aus, die sich positiv auf das Bauwesen auswirken könnten.

Ein Grund zur Entwarnung war dies allerdings noch nicht: knappes Baumaterial sowie eine starke Preissteigerung im Baugewerbe begleiten die Baubranche auch in der Zukunft – getrieben durch die allgemeine Inflation infolge der aktuellen Energiekrise. Höhere Zinsen nach einer langen Phase der Niedrigzinsen bedeuten nun auch eine beriets spürbare geringere Nachfrage im Wohnungsbau. Auch der Fachkräftemangel auf dem Bau ist nach wie vor ein Thema, das Bauunternehmen umtreibt und sie an Ihre Kapazitätsgrenzen bringt.

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Bildnachweis: Unkas Photo/Shutterstock.com, Autor: Eva-Marion Beck