Baubranche 2021 und Prognose: Corona – Wie geht’s dem Bau?

Zwar wird aktuell (im April 2021) auf vielen Baustellen kräftig gearbeitet, dennoch machen sich die Auswirkungen der Corona-Krise auch hier bemerkbar. Welche branchenspezifischen Stärken bieten jetzt Schutz? Wie geht man mit Lieferengpässen und Bauverzögerungen infolge der Pandemie um? Mit welchen Prognosen für die Zukunft der Bauwirtschaft (2021 und die darauffolgenden Jahre) lässt sich außerdem rechnen? Und wie bereiten Sie sich darauf vor? Wir beantworten die drängendsten Fragen.

DIE BAUBRANCHE IN ZEITEN VON CORONA

Überall flüchtete man ab März 2020 ins Homeoffice, gebaut wurde in Deutschland weiterhin. Der Grund: Auf vielen Baustellen sind die neuen Sicherheits- und Abstandsvorgaben einfacher einzuhalten als in einem Büro. Wenn es zudem Hygienemaßnahmen wie etwa angeschlossene Toiletten für die Beschäftigten gebe – keine „Dixiklos“ – sei ein Weiterlaufen der Arbeiten vertretbar, meint die Gewerkschaft IG Bau.

Zu Beginn der Pandemie, im Frühjahr 2020, hieß es daher in einer Einschätzung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie: Etwa 75 Prozent aller Bauunternehmen können ihren Betrieb weitestgehend am Laufen halten.

Hat sich daran nun ein Jahr später, im April 2021, etwas geändert? Denn wichtig ist schließlich nicht nur, dass gearbeitet werden darf, sondern auch, dass die Materialbeschaffung und Co. funktionieren. Die sind jedoch in Zeiten von Corona schwieriger geworden. Außerdem treibt viele Unternehmer die Frage um, ob Aufträge jetzt und in Zukunft wegbrechen. Damit Sie für Ihr Unternehmen alles Wichtige im Blick haben, haben wir die aktuelle Situation und die Prognosen für die Bauwirtschaft für Sie zusammengefasst:

AKTUELLE ZAHLEN DER BAUWIRTSCHAFT WÄHREND CORONA 2020

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bauwirtschaft sind derzeit noch gering, sodass 2020 ein Jahr der Rekordumsätze war. Die Zahlen des statistischen Bundesamts im Überblick:

  • Umsatz 2020: 98,3 Milliarden Euro (+6,6 Prozent zum Vorjahr)
  • Auftragseingang: 86,5 Milliarden Euro (-2,6 Prozent (real) und +0,5 Prozent (nominal) zum Vorjahr)
  • Beschäftigte 2020: 505 000 (+3,7 Prozent zum Vorjahr)

GEWERBLICHER BAU NIMMT AB, WOHNUNGSBAU STEIGT

Zu verdanken ist die aktuell gute Lage den Aufträgen aus den Vorjahren und der ungebremst hohen Nachfrage im Wohnungsbau. Auch ein Häuschen im Grünen wird während der Covid-19-Maßnahmen beliebter. In anderen Sparten der Baubranche sieht es laut statistischem Bundesamt aufgrund von Corona dagegen weniger gut aus:

  • Auftragseingang Wohnungsbau 2020: +7,6 Prozent zum Vorjahr
  • Auftragseingang gewerblicher Bau 2020: -4,8 Prozent zum Vorjahr

Unternehmen halten sich zurück mit größeren Investitionen. Insbesondere in der Touristikbranche sind die Unsicherheiten hoch, sodass Hotels erst gar nicht mehr gebaut werden. Anders sieht es hier mit Ferienwohnungen und -häusern aus, die von Privatpersonen durch die eingeschränkte Reisefreiheit stärker nachgefragt werden.

Bei manchen Unternehmen, bei denen vor allem Büroarbeit an der Tagesordnung steht, scheint ein Umdenken in Bezug auf das Home Office stattzufinden. Wird ein großes Büro in Zukunft überhaupt noch gebraucht? Hier bleibt abzuwarten, ob der Trend zum Home Office noch weit nach Corona anhält. Aktuell schlägt sich das Home Office jedoch negativ in den Aufträgen für Bürogebäude nieder.

Positiv für den gewerblichen Bau ist: Nicht nur das Arbeiten findet vermehrt online von zu Hause statt, sondern auch das Einkaufen. Durch den Boom im Online-Handel werden viele moderne Logistikzentren in Auftrag gegeben.

HOFFNUNG AUF ÖFFENTLICHE AUFTRÄGE

Um die Einbußen im gewerblichen Bau abzufedern, fordern Verbände im Bauwesen, dass nun die öffentliche Hand ihre Funktion als Bauherr wahrnimmt. Das ist teilweise aber gar nicht so leicht. Denn insbesondere die Kommunen verantworten derzeit etwa die Hälfte der öffentlichen Ausschreibungen. Aber genau diesen Kommunen brechen die Gewerbesteuereinnahmen weg, sodass kein Geld für größere Investitionen bleibt.

Zum Glück springen hier Bund und Länder in die Bresche und wollen die Einnahmeausfälle der Kommunen von circa 12 Milliarden Euro im Jahr 2020 ausgleichen. Bleibt zu hoffen, dass das Geld schnell bei den entsprechenden Stellen ankommt. Dies gilt auch für Aufträge von Bund und Ländern – hier müssen sich die angekündigten Investitionen zügig in Aufträgen widerspiegeln.

ZUKUNFTS-PROGNOSE: SO GEHT ES 2021 WEITER

Wie oben bereits aufgeführt, sind die verschiedenen Zweige der Bauwirtschaft unterschiedlich stark von der Corona-Situation betroffen. Das zeigt sich auch in der Konjunkturprognose des ZDB:

Wohnungsbau: 2021 wird ein Umsatz von 55,9 Milliarden Euro im Wohnungsbau erwartet. Das entspricht 3 Prozent mehr als im Vorjahr und somit in etwa der Preisentwicklung für Wohnbauarbeiten.

Insgesamt blickt der Verband beim Wohnungsbau positiv in die Zukunft, da die Nachfrage ungebrochen hoch ist und die Finanzierungsmöglichkeiten gut. Außerdem erachtet der Verband es als sinnvoll, politische Maßnahmen wie die Sonderabschreibung von Mietwohnungsbauten und Baukindergeld fortzuführen.

Wirtschaftsbau: 2021 liegt die Prognose für den Wirtschaftsbau bei einem Umsatz von 48,8 Milliarden Euro. Das sind 2 Prozent weniger als zum Vorjahr, also circa eine Milliarde Euro. Wie oben beschrieben, sind die Gebäudetypen jedoch sehr unterschiedlich betroffen (z. B. Lagerhallen für den Online-Handel vs. Büroflächen).

Öffentlicher Bau: 2021 sinkt der erwartete Umsatz im öffentlichen Bau auf 38,3 Milliarden Euro. Die Prognose entspricht minus 1,5 Prozent zum Vorjahr. Hier gilt: Der Investitionshochlauf muss in mehr Aufträge münden.

Außerdem wird erwartet, dass die Zahl der Beschäftigten von 893.000 im Jahr 2020 auf fast 900.000 im Jahr 2021 steigt. Gesucht werden gewerbliches Personal und Angestellte. Immer wichtiger wird hierbei Fachkompetenz im Bereich Digitalisierung, welche auch in Ausbildung und Studium immer stärker forciert wird.

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CORONA: AKTUELLE SCHWIERIGKEITEN DER BAUWIRTSCHAFT

Abseits von den teils rückgängigen Aufträgen für die Bauwirtschaft, wirkt sich Corona auch auf andere Weise auf die Baubranche aus. Die Covid-19-Maßnahmen sorgen für:

ENGPÄSSE BEI ARBEITSKRÄFTEN

Probleme bereiten vielen Bau- und Immobilienfirmen derzeit die Quarantänebestimmungen und Grenzschließungen, da viele Bauarbeiter aus Osteuropa stammen. Insbesondere, als an Weihnachten 2020 viele Arbeiter nach Hause gereist sind, war es für sie schwierig, wieder zurück nach Deutschland zu kommen.

ÜBERTEUERTES MATERIAL

Durch die Pandemie sind die Kosten für Baustoffe immens gestiegen. Teilweise ist die Preisentwicklung auch sehr dynamisch, sodass sich schlecht planen lässt. Im September 2020 lag der Preisanstieg für Holz oder Mineralölerzeugnisse beispielsweise bei 15 bis 20 Prozent, für Betonstahl sogar bei 30 Prozent. Ursächlich hierfür ist unter anderem, dass Anfang 2020 vielerorts die Produktion heruntergefahren wurde und somit nicht genug hergestellt wurde.

LIEFERSCHWIERIGKEITEN UND -STOPPS

Außerdem bereiten Lieferschwierigkeiten und -stopps vielen Bauunternehmen Schwierigkeiten. Davon betroffen waren unter anderem folgende Rohstoffe: Baustahl, Dämmstoff, PVC-Rohre und viele mehr.

In bestimmten Bereichen ist die Abhängigkeit von importieren Baustoffen so groß, dass es katastrophal ist, wenn das produzierende Land in den Lockdown geht. Felix Pakleppa vom ZDB fordert daher, dass Bauunternehmen wieder vermehrt auf regionale Produktion setzen. Dies sei in Deutschland unter anderem bei Kies, Sand oder Gips möglich. Eine deutsche bzw. europäische Produktion brächte außerdem weniger Preisschwankungen.

FEHLENDE GENEHMIGUNGEN

Zu Verzögerungen auf den Baustellen kam und kommt es auch, weil in vielen Behörden keine Baugenehmigungen bearbeitet werden. Unternehmen berichten, dass in vielen Kommunen ein Stillstand bei den Genehmigungsprozessen herrscht.

WAS TUN BEI BAUVERZÖGERUNGEN UND ARBEITSAUSFALL?

Was Sie jetzt wissen sollten: Bauablaufstörungen in Folge von Corona sind laut Erlass des Bundesinnenministeriums als höhere Gewalt einzustufen. Strafen wegen verspäteter Fertigstellung fallen also weg. Auch in Österreich lässt das „Rundschreiben Nr. 15“ der Bundesinnung Bau vom 3. April 2020, das einen ganz ähnlichen Inhalt hat, die Bauwirtschaft aufatmen. Manche Firmen im Bauwesen setzen außerdem auf die Corona-Klausel. Mehr dazu in unserem Artikel zu „Bauablaufstörungen wegen Corona“.

Übrigens: Die Voraussetzung für die Entlastung der Bauunternehmen ist eine genaue Dokumentation, die Corona als Ursache belegt. Außerdem müssen Sie ausführen, welche Maßnahmen Sie ergriffen haben, um dennoch weiterarbeiten zu können. Mit einem digitalen Bautagebuch sind Sie hier auf der sicheren Seite.

Deutsche Bauunternehmen profitieren zudem ganz besonders vom erleichterten Zugang zu Kurzarbeitergeld, der rückwirkend zum 1. März 2020 wirkt. Auch Leiharbeitnehmer können künftig Kurzarbeitergeld beziehen, so eine der neuen Regelungen. Außerdem können Sie als Arbeitgeber jetzt schon Kurzarbeit anmelden, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten vom Arbeitsausfall betroffen sein könnten. Diese Schwelle lag bisher bei 30 Prozent der Belegschaft.

WAS DIE BAUBRANCHE IN ZEITEN VON CORONA STÄRKT

Kommt die Baubranche also nochmal mit einem blauen Auge davon? Eine seriöse Prognose lässt sich hier noch nicht stellen. Zu stark und unberechenbar sind aktuell die Schwankungen der Wirtschaft. Jedoch hat die Bauindustrie drei Asse im Ärmel, die Hoffnung machen.

  1. Zum einen ist die Baubranche nicht so abhängig vom Export wie etwa der Maschinen- und Anlagenbau, so dass eine sinkende Nachfrage aus dem Ausland nicht sofort zu bedrohlichen Szenarien führt.
  2. Zweitens ist der Neubaumarkt als Investitionsmarkt stabiler als beispielsweise die klassischen Konsummärkte, da er eher von langfristigen Überlegungen gesteuert wird.
  3. Und drittens wird die Bauindustrie aus dem Ende einer Boomphase heraus mit der Pandemie konfrontiert. Viele Unternehmen können auf ein solides Polster an Auftragsreserven und Umsätzen zurückgreifen, das Notstände abfedert.

HOFFNUNGSVOLLE ZEICHEN

Schaut man sich das Gesamtszenario im April 2021 an, so besteht Hoffnung, dass die Einschläge durch Corona in der Baubranche nicht allzu brachial ausfallen werden. Ein Grund zur Entwarnung ist dies nicht, allerdings gibt es ein paar Punkte, die Sie selbst in der Hand haben: Setzen Sie die Handlungshilfen zu Corona um, sorgen Sie für die richtigen Schutzmasken für den Bau und setzten Sie auf nachhaltiges Bauen und Digitalisierung, um Ihr Unternehmen für die Zukunft zu wappnen.

In puncto Digitalisierung Ihres Unternehmens sind wir Ihnen sehr gerne behilflich. Kontaktieren Sie uns kostenlos und unverbindlich und erfahren Sie mehr zu unsereSoftware-Lösungen speziell für die Bauwirtschaft.

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Bildnachweis: Unkas Photo/Shutterstock.com, Autor: Eva-Marion Beck