Materialengpässe und explodierende Baustoffpreise – und nun?

Im Baugewerbe herrscht eine gute Auftragslage und trotzdem trübe Stimmung. Grund sind die explodierenden Kosten für Baustoffe und Materialengpässe. Seit dem Frühjahr drohen sogar Baustopps und Kurzarbeit. In diesen Zeiten wird klarer denn je, wie wichtig eine gute Materialwirtschaft im eigenen Betrieb ist.

Eigentlich hat es so ausgesehen, als könne selbst Corona der Baubranche nichts anhaben. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 waren im Wohnungsbau kaum Auswirkungen zu beobachten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierte für 2021 in diesem Segment Investitionen in Höhe von 265 Milliarden Euro, also ein Plus von 3,7 Prozent, für 2022 sogar einen Zuwachs von 5,8 Prozent. Die Baulust der privaten Häuslebauer sowie der Kommunen und Bauträger schien ungebrochen.

Gefahr droht jetzt aber von einer anderen Seite: Baubetriebe beklagen sich über zum Teil monatelange Lieferfristen für Baustoffe. Die Preise für Baustahl sind seit Jahresbeginn um 40 Prozent, die für Holz um sage und schreibe 400 Prozent gestiegen. Das hat zum einen mit dem erhöhten Export heimischer Hölzer, bedingt durch den rasanten Anstieg der Nachfrage aus China und den USA, zu tun. Hier hat sich die Konjunktur in den letzten Monaten bereits erholt, aber die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach. Die Folge ist Rohstoffmangel auf deutschen Märkten und eine sprunghafte Verteuerung. Zudem gibt es in deutschen Wäldern derzeit viel Schadholz durch TrockenheitSturmschäden und vor allem durch Borkenkäferbefall. Doch selbst minderwertiges Fichtenholz wird allmählich knapp. Zusätzlich befeuern Schäden auch am ausländischen Baumbestand die Holzknappheit noch weiter.

Gerade kleine und mittelständische Bauunternehmen und Handwerker bekommen die Konsequenzen zu spüren. Es ist paradox: Man sitzt vor vollen Auftragsbüchern, kann die Projekte aber nicht abarbeiten, da die Baumaterialien nicht zu beschaffen sind. Zimmermänner, Schreiner und Dachdecker versuchen vergeblich, an Holz zu kommen. Mittlerweile gibt es Lieferzeiten von fast 3 Monaten. Die Angst vor Kurzarbeit wächst, da Bauprojekte gestoppt werden müssen.

Zudem werden die Baupreise immer unkalkulierbarer. Konflikte mit Bauherren sind da unvermeidbar. Um nicht auf den Preisexplosionen sitzen zu bleiben, können Baufirmen quasi nur noch Angebote nach Tagespreis abgeben. Wer jetzt baut, muss sich auf Leistungsverträge mit Preisgleitklauseln einstellen. Und die Lage spitzt sich zu. Hersteller und Lieferanten haben weitere Preissteigerungen angekündigt.

Auch beim Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) sieht man die steigenden Preise und Lieferschwierigkeiten, vor allem bei EPS-Dämmstoffen, Trockenbauprofilen und OSB-Platten. „Die Rohstoffpreise sind exorbitant gestiegen, was dazu führt, dass Hersteller nur die unbedingt benötigten Rohstoffmengen einkaufen können“, sagte Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Riechers. „Dadurch geht Flexibilität in der Produktion verloren, und es wird nicht auf Halde produziert.“ Ganz schwarz sieht er die Lage aber nicht, obwohl auch er nicht mit einer schnellen Entspannung rechnet. Nicht alles komme deshalb zum Erliegen, so Riechers. Sowohl der VDPM als auch das Baugewerbe sehen eine wichtige Gegenmaßnahme in einer Ankurbelung der lokalen Produktion von Baustoffen.

In diesen turbulenten Zeiten wird eine einkaufsorientierte Materialwirtschaft immer wichtiger. Sie hat die Funktion, die Versorgung von Betrieben mit Baustoffen in der richtigen Menge, bei den am besten geeigneten Lieferanten, zum günstigsten Zeitpunkt, am richtigen Lager- und Einsatzort, zum besten Preis und in passender Ausführung und Qualität zu gewährleisten. Durch die strategische Justierung von Bestellmengen und Bestellterminen können Einstands-, Lager-, und Bestellkosten ganzheitlich minimiert werden. Nicht nur größere Bauunternehmen, auch kleinere Bau- und Handwerksbetriebe profitieren von einer Lösung auf lange Sicht, die gerade bei stark schwankenden Preisen immer wichtiger wird.

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